Skip to content

Sabine Walther – Language Services


Warning: Cannot use bool as array in /var/www/sabinewalther.eu/public_html/wp-content/plugins/w3-total-cache/Cache_File.php on line 237
  • Velkommen!
  • Texterin
  • Autorin
    • Wie der Tod ins Leben kam
    • La Espeja
    • Objektiv
    • Kurzgeschossen
    • Der Arten des Sterbens sind viele
      • Leseprobe: Der Arten des Sterbens sind viele
    • Grimmelshausens „Simplicissmus Teutsch“
    • Roland Barthes
    • Brechts Ballade vom Wasserrad
  • Deutsch lernen
  • Korrektorat
    • Eigene oder KI-generierte Texte professionell korrigieren lassen
  • Blog
  • Impressum und Datenschutz
  • Toggle search form

Sein blaues Wunder erleben – oder doch eher hören?

Posted on Oktober 6, 2020Juli 20, 2026 By language services Keine Kommentare zu Sein blaues Wunder erleben – oder doch eher hören?

Über den Sinneswandel einer Redensart

Wer sein blaues Wunder erlebt, darf sich sicher auf eine Überraschung gefasst machen. Aber woher stammt die Redensart eigentlich? Warum ist das Blaue unangenehm oder trügerisch? Hat dies wirklich etwas mit dem Handwerk der Tuchmacher zu tun, wie schon oft angenommen wurde? Oder hat das Blau vielleicht noch eine andere, uns heute verborgene Bedeutung?

Blau als Farbe der Uneindeutigkeit

Die Farbe Blau ist viele Verbindungen eingegangen, die etwas mit Täuschung oder Illusion zu tun haben. Nicht nur der blaue Dunst vernebelt uns die Sinne. Wir lügen das Blaue vom Himmel herab oder fabulieren ins Blaue hinein. Wir unternehmen eine Fahrt ins Blaue, also ins Ungewisse, Unbekannte.

Dem Duden Herkunftswörterbuch zufolge wurde uns ursprünglich nicht schwarz, sondern blau vor Augen, wenn eine Ohnmacht drohte. Dieser ganz besondere Schwindel wird also durch die Farbe Blau repräsentiert. Aber auch das Besondere, Einzigartige drückt sich darin aus. Das Ungewisse der Farbe Blau muss also nicht immer negativ sein.

In der Redensart „sein blaues Wunder erleben“ steckt jedoch eine vehemente Drohung. Denn wer sein blaues Wunder erlebt, wird auf eine negative Weise überrascht. Darüber hinaus umfasst die Redensart häufig den Charakter einer Strafandrohung.

Blaues Tuch und blauer Rauch

Die Herkunft der Redensart „sein blaues Wunder erleben“ wird häufig auf das Handwerk der Tuchfärber zurückgeführt. Durch eine chemische Reaktion verfärbten sich grün oder gelb eingefärbte Tücher in blaues Tuch. Der Betrachter erlebte tatsächlich ein blaues Wunder. Einer anderen Deutung nach geht die Redensart auf die Vorführungen von mittelalterlichen Gauklern zurück. Diese verwendeten für ihre Tricks und Zauberkünste blauen Rauch, der verbarg, was beim Publikum für Überraschungen sorgte.

Am Anfang der Redensart hätte demnach die Faszination am blauen Wunder gestanden. Im Laufe der Jahrhunderte aber wurde daraus die Angst vor etwas Negativem. Doch scheiden sich an diesen Erklärungen zum blauen Wunder auch heute noch die Geister.

Blaues Wunder hören, sehen, erleben

Doch nicht allein die Farbe Blau ist für die Bedeutungsbestimmung von Interesse. Auch das Verb, das die Redensart begleitet, muss betrachtet werden. Denn bevor man sein blaues Wunder erlebte, konnte man es bereits sehen und noch früher hören. So jedenfalls beschreibt es Christiane Wanzeck, die sich mit der Herkunft und Geschichte zahlreicher Farbwortverbindungen befasst hat.

Wanzeck zufolge hörte man sein blaues Wunder gegen Ende des 14. Jahrhunderts dann, wenn jemand eine unwahre Geschichte erzählte. Aus der unwahren Geschichte wurde dann im Laufe der Jahrhunderte eine unglaubliche Geschichte, ein Wunder, das sichtbar gemacht werden sollte. Man sah dann sein blaues Wunder. Erst im 20. Jahrhundert soll daraus die Wendung in Verbindung mit dem Verb „erleben“ abgeleitet worden sein.

Eine bekannte Redewendung, die sich sehr schön in eine Geschichte der Sinne und der Entstehung von Sinneseindrücken einbetten ließe. Für mich einmal mehr Anlass, genau zu beobachten, wie sinnliche Wahrnehmung funktioniert und ob ein Bild tatsächlich nur aus visuellen Eindrücken entsteht.

Der Sinneswandel dieser Redensart passt zudem sehr gut zum Übergang von einer oralen Tradition zu einer schriftlichen, bei dem das Auge an Dominanz über das Ohr gewann.

Und um die Metaphernkiste vollständig zu füllen: Aktuell droht die Gefahr, dass Deutschland bald sein blaues Wunder erlebt. Ich hoffe nicht, dass dies passiert. Aber vielleicht wäre es Anlass, sich zu fragen, wann wir aufgehört haben, einander zuzuhören, und angefangen, alles Unglaubliche so lange zu visualisieren, bis ihm eine eigene „Wahrheit“ im Sinne von Sichtbarkeit zugesprochen werden kann.

Literatur

Duden. Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. 2., völlig neu bearbeitete Auflage, Hg. von Günther Dodrowski. Mannheim/Wien/Zürich:1989, S. 86.

Wanzeck, Christiane: Zur Etymologie lexikalisierter Farbwortverbindungen. Amsterdam, New York 2003. Seite 316 ff.

Redewendungen Tags:blaues wunder, sinnesgeschichte, sinneswandel, vom Hören zum Sehen

Beitragsnavigation

Previous Post: Die letzte Anstalt oder: Antirassismus made in Germany.
Next Post: Krisenreaktionskräfte

More Related Articles

Endlich fertig – wie ein neues Buch ins Leben kam Alltagsmythen
Demokratisiert KI die Kunst? Medienkritik

Schreibe einen Kommentar Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

  • Dansk
  • Deutsch
  • Von der Verschriftlichung der Welt zu ihrer Codierung
  • Willkommen in meiner Schreibstube!
  • Als Deutsche ein Haus in Dänemark kaufen?
  • CPR und MIT-ID in Dänemark
  • Neues aus der Schreibstube

Copyright © 2026 Sabine Walther – Language Services.

Powered by PressBook Green WordPress theme

Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung dieser Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu.