<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Sabine Walther &#8211; Language Services</title>
	<atom:link href="https://sabinewalther.eu/de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://sabinewalther.eu/de/startseite/</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Tue, 11 Aug 2026 12:16:36 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.1</generator>

<image>
	<url>https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/07/cropped-logo-32x32.jpg</url>
	<title>Sabine Walther &#8211; Language Services</title>
	<link>https://sabinewalther.eu/de/startseite/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Von der Verschriftlichung der Welt zu ihrer Codierung</title>
		<link>https://sabinewalther.eu/de/von-der-verschriftlichung-der-welt-zu-ihrer-codierung/</link>
					<comments>https://sabinewalther.eu/de/von-der-verschriftlichung-der-welt-zu-ihrer-codierung/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[language services]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 14:41:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Grimmelshausen]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikationsformen]]></category>
		<category><![CDATA[Literalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Oralität und Literalität]]></category>
		<category><![CDATA[Theorien literacy]]></category>
		<category><![CDATA[Transformation]]></category>
		<category><![CDATA[Verschriftlichung]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitenwende]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sabinewalther.eu/?p=450</guid>

					<description><![CDATA[<p>Literalisierung verstehen, um Digitalisierung zu begreifen „Nicht die Technik wird über unser Leben entscheiden – was sind schon ein Smartphone oder eine künstliche Intelligenz, die keiner benutzt? –, entscheidend ist die Frage der Kultur.“ Richard David Precht&#160; Automatisierung, Roboterisierung, künstliche Intelligenz, Datenschutz, autonomes Fahren, Unzufriedenheit mit dem Breitbandausbau – das sind die Themen, die zumeist...</p>
<p class="more-link-wrap"><a href="https://sabinewalther.eu/de/von-der-verschriftlichung-der-welt-zu-ihrer-codierung/" class="more-link">Read More<span class="screen-reader-text"> &#8220;Von der Verschriftlichung der Welt zu ihrer Codierung&#8221;</span> &#187;</a></p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/von-der-verschriftlichung-der-welt-zu-ihrer-codierung/">Von der Verschriftlichung der Welt zu ihrer Codierung</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading"><strong>Literalisierung verstehen, um Digitalisierung zu begreifen</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Nicht die Technik wird über unser Leben entscheiden – was sind schon ein Smartphone oder eine künstliche Intelligenz, die keiner benutzt? –, entscheidend ist die Frage der Kultur</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><a rel="noreferrer noopener" href="https://www.randomhouse.de/Buch/Jaeger-Hirten-Kritiker/Richard-David-Precht/Goldmann/e542926.rhd" target="_blank">Richard David Precht&nbsp;</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Automatisierung, Roboterisierung, künstliche Intelligenz, Datenschutz, autonomes Fahren, Unzufriedenheit mit dem Breitbandausbau – das sind die Themen, die zumeist diskutiert werden, wenn es um Digitalisierung geht. Wir alle wissen, dass wir uns in einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbruch befinden. Aber was verstehen wir davon, wie die „digitale Transformation“ uns persönlich verändert und noch verändern wird?</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Beitrag möchte ich mich nicht mit den vieldiskutierten Themen befassen. Stattdessen nehme ich die Digitalisierung persönlich. Meine Frage ist: Wie wird sich die technische Revolution auf jeden Einzelnen von uns auswirken? Wie verändert sie ganz konkret die Art, wie wir sehen und hören, denken und fühlen, uns selbst und andere wahrnehmen? Wie wirkt sie sich auf unsere Art, die Welt zu beschreiben und uns selbst darin zu verorten aus? Und nützt es wirklich etwas, den Computer auszuschalten, die Social Media zu meiden und das Smartphone aus der Hand zu legen, um sich diesem Wandel zu entziehen – so man dies denn möchte?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich nähere mich diesen Fragen, indem ich den Prozess der vom Buchdruck ausgelösten Laienliteralisierung beschreibe, der eine gesellschaftliche Transformation in Bewegung setzte, die dem, was wir heute erleben, verblüffend ähnelt.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Einen Standpunkt finden: die Erforschung von Oralität und Literalisierung</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">(Anmerkung vorweg: <em>Literalisierung</em> beschreibt den Prozess des Erwerbs der Techniken von Lesen und Schreiben durch „Laien“ bzw deren Unterweisung. <em>Literarisierung</em> bezieht sich auf den künstlerischen Schaffensprozess.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer sich im Strudel der Ereignisse befindet, geht darin unter. Es gilt zunächst, festen Boden, einen Standpunkt zu finden, von dem aus sich diese Ereignisse distanziert betrachten lassen. Mein Standpunkt führt mich viele Jahrhunderte zurück, in eine Epoche, die von einer ähnlichen tiefgreifenden Veränderung infolge einer technischen Revolution geprägt war, wie wir es heute sind: in die Zeit nach der Erfindung der Druckerpresse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders im angelsächsischen Raum hat man dieser Epoche viel Aufmerksamkeit geschenkt. Beschrieben wurde sie als Übergang von der „Oralität“ zur „Literalität“. Jack Goody, Walter Ong, Marshall McLuhan, A.R. Lurija sind nur einige der berühmten Namen, auf die man in diesem Forschungsbereich trifft. „Oralität“ bezeichnet darin eine Gesellschaftsform, in der Wissen vor allem mündlich weitergegeben wird. „Literalität“ bezeichnet eine Gesellschaftsform, in der dies über die Schrift erfolgt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">All diese Forscher sind der Schrift und dem, was sie an kulturellen Leistungen ermöglichte, zutiefst verbunden. Man kann ihnen also nicht den Vorwurf machen, dass sie in irgendeine sentimentalisierte Urgesellschaft zurückkehren wollten. Und dennoch haben sie auch die Problematik dieses Überganges, den gesellschaftlichen Umsturz, die Veränderungen fürs Individuum klar erfasst und beschrieben und gezeigt, wie die Erfindung der Druckerpresse sich auf den Umsturz der Gesellschaft und auf den Einzelnen auswirkte.  Zu diesen Auswirkungen gehörten beispielsweise </p>



<ul class="wp-block-list">
<li>das Gefühl der Entwurzelung,</li>



<li>Veränderungen in der sinnlichen Wahrnehmung und des Zeitempfindens,</li>



<li>die Idee, dass Fortschritt sich nicht durch Aktualisierung, sondern auf einer geraden Zeitleiste ereignet,</li>



<li>die Abhängigkeit von neuen Formen der Unterweisung,</li>



<li>eine veränderte Selbst- und Fremdwahrnehmung,</li>



<li>das Gefühl der Überlegenheit gegenüber „primitiven“, nicht schriftgebundenen Gesellschaften oder ungebildeten Menschen,</li>



<li>der Wunsch nach Vernichtung jener, die dem eigenen neuen Weltbild im Weg standen,</li>



<li>eine Gelehrsamkeit, die sich in der Anhäufung von Wissen erschöpfte, beziehungsweise Wissen als „Macht“ verstand.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Ausgehend von verschiedenen Studien werde ich versuchen, Aspekte des Wandels darzustellen. Ich blicke dabei auf die Gegenwart, werte das Dargestellte aber nicht explizit aus.&nbsp; Die Parallelen zur Digitalisierung sind klar und offensichtlich. Welche Schlüsse man daraus zieht, wird im Wesentlichen davon abhängen, ob man der Digitalisierung eher skeptisch oder eher euphorisch gegenübersteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Precht bin ich der Auffassung, dass eine technische Revolution jeden verändert, der sich in ihrem Wirkkreis befindet – unabhängig davon, ob er selbst die Technologien verwendet oder nicht. Es gibt keine Kultur ohne Technik und keine Technik, die nicht unsere Kultur, einschließlich unseres Denkens, Handelns und Fühlens, bestimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Blumenberg" target="_blank">Hans Blumenberg</a></strong> hat ausführlich geschildert, wie die „Lesbarkeit der Welt“ uns mit zahlreichen Metaphern versorgte, die uns halfen, die Welt und uns selbst zu verstehen. Innerhalb dieser Metaphorik wird auch der illiterate Laie zum „Leser des Weltenbuchs“ und kommt als „leere Seite“ zur Welt, die beschrieben werden muss. Und nicht anders wird es sich mit der Decodierung der Welt verhalten, wenn wir unser Hirn als Festplatte und den Menschen als mobiles Endgerät betrachten, auf dessen System sich beliebig Software installieren oder gar mit KI vernetzen lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn, wie <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Marshall_McLuhan" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Marshall McLuhan</a></strong> es einst so treffend zusammenfasste: Das Medium überbringt nicht nur die Botschaft. Es <strong>ist</strong> die Botschaft. Und wenn es sich um eine erfolgreiche Technologie handelt, dann formt uns der Umgang damit so lange und so sehr, dass wir den Eindruck haben, ohne sie niemals mehr leben zu können. So, wie es einst die Druckerpresse tat, die eine längst vorhandene Kulturtechnik in ein Massenmedium verwandelte und die Verschriftlichung der Welt einleitete.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Von der oralen zur schriftgebundenen Überlieferung: die Vorstufe</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Übergang von der mündlichen zur schriftgebundenen Kultur erfolgte nicht im Hauruckverfahren, sondern vollzog sich über viele Jahrhunderte. Schon ein Jahrtausend bevor es möglich wurde, Bücher in Druck zu geben und damit als Massenware zu verbreiten, beherrschten viele Menschen das Lesen und Schreiben. Und schon im alten Griechenland <a href="http://home.uni-leipzig.de/burr/Historisch/images/Platon_Schrift.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">wurde darum gestritten</a>, ob das Schreiben als eine neue Form des Erinnerns letztlich zu einem Auslöschen von Wissen und Gelehrsamkeit führe. &nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Milman_Parry" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Milman Parry</a></strong> zufolge vollzog sich mit dem ersten Übergang von der mündlichen Erzählkunst zur schriftgebundenen Form ein „epistemologischer Bruch“. Nicht allein die Erzählweise und die Gedächtniskunst veränderten sich, auch die Vorstellung davon, dass Worte und Wissen immer auf der Flucht sind, sich nirgendwo speichern oder ablagern lassen. Lediglich im Sprechen werden sie für Menschen, die in einer mündlichen Tradition aufwachsen, lebendig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wesentlich ist dabei, dass der Redner oder Dichter in der mündlichen Tradition eine formale Sprechweise erlernt, wie er Wissen und Tradition zum Klingen bringt. Dazu gehören Verse und Reime, Rhythmen und Betonungen. Nicht aber die Vorstellung, dass das Tradierte sich ewig gleich bleiben müsse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schrift als Mnemotechnik veränderte diese Vorstellung. Für den Analphabeten, der durchaus ein Gelehrter sein kann, ist das Wort in erster Linie Klang, ein flüchtiger Klang. Für den alphabetisierten Menschen ist das Wort ein Körper, der sich visualisieren und speichern lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das in Schriftform festgehaltene Wissen muss nicht beständig aktualisiert werden, um es zu erhalten, es kann aus dem Regal hervorgeholt und nachgelesen werden. Die Schrift birgt damit die Möglichkeit, Wissen anzuhäufen und zu vermehren. Zugleich fügt sie dem Prozess des Wissenserwerbs aber auch etwas Starres hinzu. Sie ersetzt die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mnemotechnik" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Technik des Einprägens und Aktualisierens</a> durch das Konservieren und Tradiieren. </p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Illiterate und literalisierte Menschen leben in unterschiedlichen mentalen Räumen</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Milman Parry erfasste den Übergang von der mündlichen Erzählkultur zur schriftlichen in der antiken griechischen Erzählkunst und gab damit einen wichtigen Anstoß für die Erforschung von Oralität und Literalität. Einer der Wissenschaftler, die diesem Thema schon bald folgten, war der Psychologe <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Romanowitsch_Lurija" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Aleksandr Romanovich Lurija</a>.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Lurija allerdings reiste nicht ins alte Griechenland, er bereiste mit einem Team abgelegene Gebiete der früheren Sowjetunion, um Menschen ausfindig zu machen, die weder mit der Schrift noch mit der Buchkultur in Kontakt gekommen waren, also sogenannte „illiterate“ Menschen. Ziel war es, herauszufinden, ob und wie sich die „mentalen Räume“ dieser Menschen von jenen, die in und mit der Schriftkultur aufgewachsen und vertraut sind, unterscheiden.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Das illiterate Denken: konkret, situationsbezogen, indikativ</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Lurija stellte (u.a.) fest, dass das Denken illiterater Personen konkret und situationsgebunden ist. Es ist ihnen nicht möglich, davon zu abstrahieren, da es nicht von Begriffen, sondern von sensomotorischen und visuellen Eindrücken gespeist wird. Schon der Konjunktiv ist solchen Menschen suspekt, sie verstehen nicht, was eine Möglichkeitsform ist, weil sie ganz und gar in der Wirklichkeit aufgehen. Der illiterate Mensch erwirbt Wissen, um in der Welt zu handeln.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Das literalisierte Denken: abstrakt, klassifizierend, metaphorisch</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der verschriftete, literalisierte Mensch dagegen neigt dazu, seine Eindrücke und Wahrnehmungen begrifflich zu abstrahieren und einem Denksystem hinzuzufügen, das auf Klassifizierung und Kategorisierung beruht. Er sucht nicht den Kontext oder Sinn in seinem Handeln und Weltverstehen, sondern das Verhältnis von Ursache und Wirkung. Die Wirklichkeit liefert ihm Metaphern, mit denen er sich selbst beschreiben kann. Der literalisierte Mensch erwirbt Wissen, um die Welt zu behandeln.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Welt interpretieren heißt von der Welt zu abstrahieren</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Beide Personen leben Lurija zufolge in völlig verschiedenen mentalen Räumen, die einander ausschließen. Dem illiteraten Menschen ist die abstrakte Denkweise fremd, der literalisierte Mensch hält den Illiteraten für primitiv und unterlegen, da er nie gelernt hat, die Welt jenseits dessen, was konkret erfassbar von ihr ist, zu denken. Damit eine Verständigung möglich ist, müsste der illiterate Mensch lernen, von den konkreten Erscheinungen abzusehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anders gesagt: Der Homo literatus hat gelernt, die Welt zu visualisieren und zu interpretieren. Sein Denken vollzieht sich in einer Sprache, die er sich als Buchstabenketten vorstellt, die sich unabhängig von jeder Erfahrung reproduzieren lassen und die das sprachliche Denken vom Handeln trennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><a rel="noreferrer noopener" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Marshall_McLuhan" target="_blank">McLuhan</a></strong> zufolge resultierte aus dieser Kluft zwischen Denken und Handeln, Verstand und Gefühl, konkreter Erscheinung und abstrahierender Interpretation eine Schizophrenie von Denken und Fühlen, die für den Einzelnen wie für die gesamte literalisierte Gesellschaft zum Trauma wurde.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Vom Ohr zum Auge: Wandel in der sinnlichen Wahrnehmung</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur im Denken unterscheiden sich der Illiterate, der außerhalb einer Schriftkultur aufgewachsen ist, und der Schriftgelehrte. Auch ihre sinnliche Wahrnehmung unterscheidet sich. Wesentlich für diesen Wandel ist die zunehmende Dominanz des Sehens über das Hören, die mit der Etablierung einer allgemeinen Buch- und Dokumentenkultur einherging.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Illiterate Menschen hören, erinnern und aktualisieren Traditionen</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Für den illiteraten Menschen ist das Wort Klang, der kurz nachhallt, der sich so schnell verflüchtigt, wie er hervorgebracht wurde. Klang (Sound) aber, so stellte es <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_J._Ong" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Walter J. Ong</strong> </a>in seinen Studien zur oralen Tradition dar, ist mit der Präsenz eines Sprechers und mit dem Leben im Hier und Jetzt verbunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Sprecher bedient sich in einer oralen Tradition bestimmter Formen, seinem Gedächtnis Geschichten und Überlieferungen einzuprägen. Im Sprechen hat er die Möglichkeit, diese Überlieferung beständig zu aktualisieren, den Bezug zur Situation herzustellen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Literalisierte sehen, wiederholen und deuten voraus, was verbindlich geschrieben steht</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Für den Literalisierten ist das Wort dagegen aus Buchstaben zusammengesetzt, die er durch den Buchdruck nicht mehr mühselig einfangen und auf Papier malen muss, sondern die sich beliebig oft speichern und reproduzieren lassen. Die Anwesenheit eines Sprechers ist nicht erforderlich, man kann sich mit einem Buch auch köstlich allein unterhalten. Die Schrift ist ein Mittel, die Vergangenheit zu konservieren und die Zukunft vorwegzunehmen. Das Buch ist das Medium der Abwesenheit und einer Kommunikation, die Zeit und Raum überschreitet.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Wandel in der Kommunikation: vom Gespräch unter Anwesenden zum stummen Dialog der Abwesenden</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt ging mit der Verschriftlichung der Welt, wie sie der Buchdruck ermöglichte, also auch eine Verschiebung der Sinnestätigkeit vom Hören zum Sehen einher, die alle menschlichen Beziehungen zur physischen Welt und zu anderen Menschen umfasste und tiefgreifend veränderte. Das Gespräch ereignet sich unter Anwesenden. Der Dialog mit dem Buch erfolgt in Abwesenheit und Abgeschiedenheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch <strong>Marshall McLuhan</strong>, der den Zusammenhang zwischen neuen Technologien und deren Einfluss auf die Wahrnehmung untersuchte, sah diese vehemente Verschiebung der Sinneswahrnehmung vom Ohr zum Auge als entscheidend für den Übergang von der illiteraten zur literarisierten Gesellschaft.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Veränderung von Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung / Identitätsfindung</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ong</strong> zufolge ging der Prozess der Verschriftlichung zudem mit einem wesentlichen Wandel in der Selbst- und Fremdwahrnehmung einher. In einer Kultur der Abwesenheit erkennt sich der Leser nicht mehr im anwesenden Du, sondern in der beschriebenen Seite. Er spiegelt sich nicht im Auge des Betrachters, sondern identifiziert sich mit Figuren, die von einem anderen geschaffen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbstwahrnehmung und Bewusstwerdung verlaufen dann auf dem Umweg von Interpretation und Identifikation. Sie lösen sich vom Kontext des Gewordenseins – von der Herkunft, vom Geschlecht, vom Weltwissen eines Menschen. Darin liegt das Versprechen, jederzeit alles werden oder sein zu können, sofern man es sich nur vorzustellen vermag, sofern man zum Schriftsteller des eigenen Lebens wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig gerät der literarisierte Mensch darüber in diverse Abhängigkeiten und löst sich aus dem, was ihm bisher Grundlage seiner Biografie und seiner Identifikation war. Seine Identität bezieht sich nicht auf eine Herkunft, sondern auf ein Dokument, das sie bestätigt. Seine größte Wirkmacht besteht darin, selbst zum Schrift-Steller zu werden, sich neu zu erfinden. Dazu aber muss er die erforderlichen Techniken zunächst erlernen. Er muss davon absehen, was, wo und wie er geworden ist, um sein zu können, was ihm ein anderer als Möglichkeit vor Augen stellt. Er verlässt das Elternhaus, das ihn geformt hat, um sich in einer Institution fort-bilden zu lassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Veränderung im Zeitempfinden: vom Kreis zur Linearität</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Auge scheint dem Rausch eher zu verfallen als das Ohr. Schon im Übergang zur Buchgesellschaft hatten die Menschen die Empfindung, dass die Zeit plötzlich rast.Das lag auch, aber nicht nur am Sinnenwandel. Auch die Vorstellung von Zeit und Rhythmus erfuhren durch den Buchdruck eine mindestens so wichtige Neugestaltung wie durch die Erfindung der Uhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn während die Uhr noch im Kreis läuft und damit zumindest visuell den Kreislauf der Natur abbildet, verläuft die Schrift linear. Der Kreis kennt kein oben oder unten, kein links oder rechts, es ist allenfalls der Betrachter, der diese Einteilung festlegt. Die Linie aber unterteilt den Raum in genau diese Bereiche, sie schafft örtliche und zeitliche Hierarchien, die Zuordnung von vorher und nachher, alt und neu, antiquiert und modern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Zeitlinie wird sie zum Pfeil, der stets nach vorne weist. Der schriftgelehrte Mensch ist daher auch einer, für den Fortschritt unaufhaltsam voranschreitet<a>, </a>und zwar in nur eine Richtung. Im Unterschied zum Illiteraten aktualisiert er die Vergangenheit nicht, er hat genug damit zu tun, das Morgen vorzubereiten. Will er etwas über die Vergangenheit wissen, schaut er im Geschichtsbuch nach, holt er seine Speicherplätze, die Bücher hervor, um zu lesen, wie es die Alten einst trieben. Der Buchdruck ermöglichte damit auch eine Zweiteilung in rückwärtsgewandte Menschen, die die Zeit gern aufhalten oder zurückdrehen wollen. Und in solche, die es unablässig vorantreibt, ohne Rücksicht auf Traditionen und Rhythmen. Tatsächlich trägt er aber dazu bei, Vorstellungen zu konservieren. Wie alle Technologien ist der Buchdruck daher in erster Linie rückwärtsgewandt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wo zuvor Rhythmus und Wiederholung das Dasein bestimmten, gab nun ein rastloses Vorwärts den Takt an. Hinzu kam, dass auch das Wissen nun viel schneller angehäuft und weitergegeben werden konnte. Statt in den Beruf des Vaters hineinzuwachsen, die Welt durchs Handeln zu erkennen, ergab sich die Notwendigkeit, sich unterweisen zu lassen, um Wissen anzuhäufen, das selbst einem rasanten Wandel unterlag und beständiger Interpretation bedurfte.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Weitergabe von Wissen und die theoretische Eröffnung neuer Möglichkeiten</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Wissen in schriftlosen und verschrifteten Gesellschaften weitergegeben wird, war ein Forschungsschwerpunkt von <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jack_Goody" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Jack Goody</a></strong>. In oralen Gesellschaften erfolgt Goody zufolge die Weitergabe von Wissen im Kontext von Handeln und Verstehen. Man könnte auch sagen: Der Schusterjunge blieb bei seinen Leisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a>I</a>n schriftlichen Gesellschaften erfolgt die Weitergabe von Wissen in Bildungseinrichtungen, unabhängig von einem konkreten Kontext. Wissen wird zunächst einmal von „Experten“ angehäuft,gesichtet, eingeordnet und vermittelt. Damit einher geht, dass sich auch dem Schusterjungen nun die Möglichkeit eröffnet, Experte zu werden. Zumindest der Theorie nach. In der Praxis hatte sich, in dem Moment, da die Masse der Schusterjungen sich mit den neuen Technologien vertraut gemacht hatte, längst eine neue Schicht herausgebildet, die die entscheidenden Positionen innerhalb der Gesellschaft besetzte u n d das Wissen des Schusters für sich beanspruchte.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Die Vernichtung des ungebildeten natürlichen Feindes</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Literalisierung brachte nicht nur den gebildeten Schusterjungen, sondern auch das Feindbild des neuen Schriftgelehrten hervor: die Hexe und den Häretiker.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hexen sind – dem Verfasser des erstmals 1486 gedruckten „<a rel="noreferrer noopener" href="https://www.google.com/search?client=firefox-b-ab&amp;q=hexenhammer" target="_blank">Hexenhammer</a>s“ zufolge – ungebildet, sprechen mit böser Zunge, aber in verführerischer Intonation, und sie vertrauen auf Analogien und Klänge statt auf Ursache-Wirkungs-Verhältnisse und Schriftstücke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch hatte Institoris – oder wer immer den Hexenhammer verfasste – ein Problem: Der Glaube an das Dämonische, an Hexen und Zauberer passte zu Beginn des 15. Jahrhunderts noch nicht in die katholische Lehre. Er musste daher zunächst <strong>beweisen</strong>, dass es Hexen wirklich gibt und dass diese Feststellung nicht gegen den katholischen Glauben verstößt. Er musste beweisen, dass nicht er selbst der Ketzer oder Häretiker war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das tat Institoris, mit aller Inbrunst und aller Gelehrsamkeit, die ihm zur Verfügung standen. In bester Manier des Schriftgelehrten breitete er das aus Büchern angehäufte Wissen vor seinen Lesern aus. Er zitiert, argumentiert, klassifiziert und kategorisiert. Erfolgreich, zumindest bei allen, die wie er die ungebildeten u n d jene Gebildeten hassen, die an seinen Ausführungen und seiner Art der Argumentation zweifeln.  29 Mal wird der Hexenhammer neu aufgelegt, bis weit ins 17. Jahrhundert hinein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl es der Verfasser des Hexenhammers war, der die Druckerpresse nutzte, um mit der kirchlichen Tradition zu brechen, sind die meisten Menschen heute noch überzeugt, Hexenverfolgungen hätten sich vor allem im finsteren Mittelalter ereignet. Tatsächlich fallen sie in eine Zeit der Transformation von Kommunikationsformen, von Wissensvermittlung und Wissenserwerb, die sich bis weit in die Aufklärung erstreckt. Eine Zeit, in der sich eine neue Art des Schriftgelehrten ausbreitet, der die Tradition nicht aktualisiert, sondern Wissen anhäuft, um damit seine eigenen Argumentationsketten und Sichtweisen zu belegen. Der Gefahren aus Büchern sehen und seinem Leben zuzuordnen lernt. Und der jeden bekämpft, der sich dieser Art des vermeintlich neuen Wissens nicht unterwerfen will. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Widerhall fand die Hexenjagd vielleicht auch deshalb, weil die Transformation Menschen den Boden unter den Füßen wegzureißen schien, die Beschleunigung, Sinneswandel und vielfache gesellschaftliche Umbrüche erfuhren. Aus Klugheit wurde Intellekt, aus Erfahrung wurde Belesenheit, für Alltägliches brauchte es erworbene Expertise. Das Weib dagegen, wie der Hexenhammer es beschreibt, ist entweder eine kluge und keusche Seele oder der Inbegriff des natürlichen, sinnlichen, ungebildeten Menschen, den Institoris ebenso verabscheut wie alle, die sich aufgrund ihres Bildungsgrades seiner Position widersetzen. Neben die ungebildete Hexe tritt der Häretiker, der in all seiner Gelehrsamkeit ebenfalls vernichtet werden muss. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Halten wir fest: Die Hoch-Zeit der Hexenverbrennungen liegt nicht im finsteren Mittelalter, in dem es den Geistlichen vorbehalten war, die Kulturtechniken des Lesens und Schreibens zu erlernen, sondern in der Neuzeit. Ohne den Buchdruck, ohne eine Neustrukturierung des Denkens, ohne einen Sinneswandel vom Auge zum Ohr und ohne die Veränderungen in der Art, wie Wissen zusammengetragen und weitergegeben wurde, wäre dies nicht möglich gewesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Verschriftlichung der Welt lässt sich damit auch als Prozess begreifen, in dessen Verlauf Weiblichkeit zum Synonym für ungebildete Natürlichkeit wurde – was die einen als hassenswert bekämpften, die anderen Jahrhunderte später hübsch aufgeklärt und romantisiert als natürliche Anmut zu domestizieren versuchten.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Das Ineinander von Gelehrsamkeit und Scharlatanerie, Magie und Wissenschaft</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Am Hexenhammer wird deutlich, was <strong>Goody</strong> als  „Ineinander“ verschiedener Formen der mündlichen und schriftlichen Bildung und Überlieferung bezeichnete. Es existiert keine eindeutige Dichotomie von „gebildet“ oder „ungebildet“, von mythischer oder wissenschaftlicher Vorstellungswelt. Beide Denkformen sind miteinander verwoben, gehen aus- und ineinander über. Ein Zusammenhang, den <strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dialektik_der_Aufkl%C3%A4rung" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Adorno/Horkheimer</a></strong> in ihrer „<a href="https://sabinewalther.eu/de/ueber-die-barbarei-der-aufklaerung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dialektik der Aufklärung</a>“ ebenfalls thematisierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben den Gebildeten und den Ungebildeten finden wir daher auch im und nach dem Übergang zur Verschriftlichung jede Menge Halbgebildeter, Scharlatane, Betrüger und „Fake-News“-Verbreiter. Und wir finden Menschen wie Institoris, die sich die Logik der Schrift zu eigen machen, um schließlich in unerbittliche Streitereien und kriegerische Auseinandersetzungen darüber zu geraten, welche Schrift und welche Tradition die richtige und wahre sei, welche Religion und welche Sprache die von Gott geschaffene und welcher Art von Gelehrsamkeit zu folgen sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Davon unbeirrt setzte die Technologie und setzten die Technologen ihren Siegeszug fort. Die Menschen lernten, die Welt zu entziffern und alles, was sich ereignete, nach der Logik von Ursache und Wirkung zu beurteilen. Sie lernten, sich selbst mit den Metaphern der Technologie zu beschreiben und der Logik der Linearität zu folgen. Sie verstanden, dass der Mensch nur ein unbeschriebenes Blatt ist, abhängig von der Unterweisung durch die Gebildeten, die wissen, was gut, richtig, gesund und förderlich für alle ist.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Bezug zur Gegenwart</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die digitale Transformation beendet diese Epoche der Schriftgelehrsamkeit, auch wenn sie von Versuchen begleitet wird, das Wissen der Welt in groß angelegten Werken wie der Wikipedia oder dem Projekt Gutenberg zu bewahren. Oder vielleicht auch und gerade, weil sie dies ermöglicht. Denn wie wir gesehen haben, kennzeichnet gerade der Wandel in der Tradierung und Weitergabe von Wissen den Übergang und schließlich den Bruch zwischen oraler und literarisierter Gesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In gleicher Weise wird sie unser Denken, Fühlen und Wahrnehmen, unser Zeitempfinden und unsere sinnlichen Erfahrungen verändern und variieren. Sie liefert uns neue Metaphern, mit denen wir uns selbst beschreiben und definieren – schon heute ist niemand mehr ein unbeschriebenes Blatt oder ein offenes Buch, in dem sich lesen lässt, sondern eine Hardware, auf deren Festplatte Software in beliebiger Zusammenstellung installiert wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die Wirklichkeit, in der wir alle nach wie vor leben, verwandelt sich in unserer Vorstellung zunehmend in einen Code, den die meisten von uns nicht mehr verstehen. Darüber hinaus verändert der Umgang mit digitalen Technologien bereits konkret unsere sinnliche Wahrnehmung. Davon zeugen nicht nur „Smombies“, wir alle verlieren, mehr und mehr den Durchblick, je länger wir auf ein Gerät starren. (Changizi). </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Veränderungen, die sich daraus ergeben, werden aber nicht nur jene betreffen, die das Smartphone nutzen oder ständig online sind. Wie sich eine neue Massen-Technologie auf die Köpfe und Herzen auswirkt, ist unabhängig davon, wer sie benutzt und wer nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Von der Metaphern spendenden Welt zur Welt als Metapher</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich über all dies nachdenke und versuche, es in Worte zu fassen, bin ich gleichzeitig mit etwas beschäftigt, was sich „Migration“ nennt. Damit meine ich nicht die „Wanderbewegungen“ von Flüchtlingen und von Menschen, die sich aufmachen in eine vermeintlich bessere Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich versuche, mit meiner Website und meinem Blog zu einem neuen Host umzuziehen. Und ich bemerke zweierlei: In welche neuen Abhängigkeiten mich die Digitalisierung bereits gebracht hat. Und in welcher Weise sich die Wirklichkeit als Metaphern-Spender bereits in eine Realität gewandelt hat, die selbst nur noch Metapher oder besser gesagt Quellcode ist, den wir lesen, aber nicht verarbeiten können. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu dieser neuen Realität gehört, dass ich mit Menschen spreche, die sich mir und denen ich mich kaum noch verständlich machen kann. Weil „Space“ und „Raum“ so wenig dasselbe bezeichnen wie Bitcoins und Münzen. Immerhin sind diese Menschen so freundlich, mir noch einen blauen oder gelben Ordner auf den Desktop zu pinseln, sodass ich nicht bemerken muss, dass das, was ich gerade tue, mit meinem bisherigen Wissen von der Welt nichts mehr zu tun hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erfahrung, Kenntnis, Bildung, Werden – für all das gibt es in der digitalisierten Welt keine Notwendigkeit mehr. Deutlich wird dies schon an der Sprache, die von einem Tag auf den anderen neue Bedeutungen in sich aufsaugt. Denn während ich virtuell migriere, träumen Millionen Menschen davon, physisch zu migrieren oder haben es bereits getan, um einer durch und durch brutalen Wirklichkeit zu entkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Begriff „Migration“ ist daher auch ein gutes Beispiel dafür, dass wir gegenwärtig noch zu unterscheiden wissen zwischen einer physischen und einer virtuellen Realität. Die meisten von uns haben schon mal einen echten Ordner in der Hand gehabt. Die Chirurgen wissen noch, wie sich der warme Körper eines lebenden Patienten anfühlt und die Leichenbestatter erkennen die ersten Zeichen der eintretenden Leichenstarre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir können den Geschehnissen, mit und in denen wir hantieren, noch eine Erinnerung an etwas zuordnen, was physisch existierte, woran sie erinnern, bevor sie zu Symbolen wurden. Durch die Digitalisierung wird dieses Wissen und Können obsolet und es besteht die Gefahr, dass wir wirklich dümmer werden, als es sich von der dümmsten künstlichen Intelligenz behaupten lässt.  Welche Abhängigkeiten sich daraus ergeben werden, mag ich mir nicht vorstellen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Rückgriff auf die Epoche der Literalisierung eröffnet uns die Chance, den Wandel, wie er sich aktuell ereignet, in den Blick zu bekommen. Ob es uns gelingen wird, ihn deshalb auch zu steuern, unseren Vorstellungen anzupassen, statt uns willenlos zu unterwerfen? Wird die Technik unser Leben steuern oder die Kultur? Wird sie Unterwerfung und Kriege einfordern, um sich gegen die „Ungebildeten“, die sie zur Vernichtung freigibt, durchsetzen zu können, um das vermeintlich Neue gegen das Alte, das von der Bildfläche verschwinden soll, zu „verteidigen“, oder wird sie nun endlich das Zeitalter des Wassermanns einleiten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bleibe skeptisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br><strong>Kleiner Hinweis in eigener Sache: Mit dem Übergang von der oralen zur literarisierten Gesellschaft habe ich mich schon 1996 in meiner Magisterarbeit befasst. Und am Beispiel eines der wichtigsten Romane des deutschen Barock die Thematik aufzuzeigen versucht, am Simplicissimus von Grimmelshausen. Nur, <a href="https://sabinewalther.eu/autorin/simplicissmus/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">falls ihr von dem Thema noch nicht genug habt</a>.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/von-der-verschriftlichung-der-welt-zu-ihrer-codierung/">Von der Verschriftlichung der Welt zu ihrer Codierung</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://sabinewalther.eu/de/von-der-verschriftlichung-der-welt-zu-ihrer-codierung/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Willkommen in meiner Schreibstube!</title>
		<link>https://sabinewalther.eu/de/willkommen-in-meiner-schreibstube/</link>
					<comments>https://sabinewalther.eu/de/willkommen-in-meiner-schreibstube/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[language services]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 10:31:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sabinewalther.eu/?p=246</guid>

					<description><![CDATA[<p>Was lese ich gerade? Woran arbeite ich? Was beschäftigt mich? Worüber denke ich nach, was macht mich wütend und was bringt mich zum Lachen? Mein Blog gibt dir Einblick in meine wunderbare Welt als Texterin und Selfpublisherin, als Auswanderin und Sprachlehrerin. Und ich freue mich natürlich, wenn die Texte und Themen auch für dich spannend...</p>
<p class="more-link-wrap"><a href="https://sabinewalther.eu/de/willkommen-in-meiner-schreibstube/" class="more-link">Read More<span class="screen-reader-text"> &#8220;Willkommen in meiner Schreibstube!&#8221;</span> &#187;</a></p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/willkommen-in-meiner-schreibstube/">Willkommen in meiner Schreibstube!</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Was lese ich gerade? Woran arbeite ich? Was beschäftigt mich? Worüber denke ich nach, was macht mich wütend und was bringt mich zum Lachen? Mein Blog gibt dir Einblick in meine wunderbare Welt als Texterin und Selfpublisherin, als Auswanderin und Sprachlehrerin. Und ich freue mich natürlich, wenn die Texte und Themen auch für dich spannend oder unterhaltsam sind. Kommentare, die keinen Spam enthalten, sind daher immer erwünscht!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den Anfang mache ich mit einigen Beiträgen, die von meinen früheren Webseiten/Blogs stammen. Nach und nach werden dann aktuellere Beiträge hinzukommen. Außerdem findest du hier immer mal wieder Erzählungen oder Bücher, an denen ich gerade arbeite. Die sind dann natürlich noch nicht druckreif – deshalb ist dein Feedback besonders willkommen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viel Spaß beim Stöbern!</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/willkommen-in-meiner-schreibstube/">Willkommen in meiner Schreibstube!</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://sabinewalther.eu/de/willkommen-in-meiner-schreibstube/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Als Deutsche ein Haus in Dänemark kaufen?</title>
		<link>https://sabinewalther.eu/de/hauskauf-in-daenemark-als-deutscher/</link>
					<comments>https://sabinewalther.eu/de/hauskauf-in-daenemark-als-deutscher/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[language services]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 May 2026 12:53:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auswandern nach Dänemark]]></category>
		<category><![CDATA[Als Deutsche nach Dänemark]]></category>
		<category><![CDATA[Hauskauf in Dänemark]]></category>
		<category><![CDATA[Kann ich als Deutsche ein Haus in Dänemark kaufen?]]></category>
		<category><![CDATA[Kann ich ein Ferienhaus in Dänemark kaufen]]></category>
		<category><![CDATA[Nach Dänemark auswandern]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sabinewalther.eu/?p=325</guid>

					<description><![CDATA[<p>Ein kompakter Überblick für alle, die nach Dänemark auswandern wollen 2024 haben wir unseren Traum wahrgemacht, ein Haus in Dänemark zu kaufen, um dort unseren Lebensabend zu verbringen. In diesem Artikel gebe ich zunächst einen Überblick, unter welchen Voraussetzungen Deutsche in Dänemark ein Haus kaufen können und wie der Hauskauf abläuft. Da es sich um...</p>
<p class="more-link-wrap"><a href="https://sabinewalther.eu/de/hauskauf-in-daenemark-als-deutscher/" class="more-link">Read More<span class="screen-reader-text"> &#8220;Als Deutsche ein Haus in Dänemark kaufen?&#8221;</span> &#187;</a></p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/hauskauf-in-daenemark-als-deutscher/">Als Deutsche ein Haus in Dänemark kaufen?</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading"><strong>Ein kompakter Überblick für alle, die nach Dänemark auswandern wollen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">2024 haben wir unseren Traum wahrgemacht, ein Haus in Dänemark zu kaufen, um dort unseren Lebensabend zu verbringen. In diesem Artikel gebe ich zunächst einen Überblick, unter welchen Voraussetzungen Deutsche in Dänemark ein Haus kaufen können und wie der Hauskauf abläuft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da es sich um ein komplexes Thema handelt, lassen sich nicht alle Punkte in einem Beitrag abhandeln. Nach und nach werde ich aber wichtige Einzelaspekte in eigenen Blogbeiträgen ergänzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong><br>Als Deutsche ein Haus in Dänemark kaufen: Voraussetzungen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Dänemark werden Häuser und Regionen in drei Kategorien eingeteilt: Ferienhäuser und Feriengebiete für den nicht dauerhaften Aufenthalt,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Flexhäuser in Regionen, in denen du frei wählen kannst, ob du dort dauerhaft leben möchtest oder nur sporadisch,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wohnhäuser in Gegenden, die dauerhaft bewohnt sein sollen, in denen also Wohnpflicht herrscht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Flexhäuser sind in der Regel Wohnhäuser in eher strukturschwachen Gegenden mit vielen leerstehenden Häusern. Um zu vermeiden, dass die Häuser verfallen und die Gegenden weiter geschwächt werden, wird die ansonsten bestehende Wohnpflicht hier gelockert. Das gilt allerdings nicht für Neuzuwanderer, für sie herrscht fünf Jahre lang Wohnpflicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h3 class="wp-block-heading">Ferienhaus in Dänemark kaufen: als Zuwanderer nur mit Ausnahmegenehmigung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Ferienhaus kannst du als Ausländer (auch als EU-Bürger), der noch keine fünf Jahre in Dänemark wohnt, nur unter sehr strengen Voraussetzungen kaufen. Du musst eine enge Verbindung zum Land nachweisen. Und du musst dafür eine offizielle Genehmigung <a href="https://www.eng.civilstyrelsen.dk/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>beim dänischen Justizministerium </strong></a>beantragen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Flexbolig oder Wohnhaus in Dänemark kaufen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Flexhaus und ein Wohnhaus kannst du als noch nicht in Dänemark Ansässiger Deutscher problemlos kaufen, wenn du beabsichtigst, deinen Wohnsitz dauerhaft (mindestens fünf Jahre) nach Dänemark zu verlegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du musst dich nach dem Kauf also unmittelbar in Dänemark mit deinem Hauptwohnsitz anmelden. Damit du das Haus kaufen kannst, benötigst du neben dem Geld für die Finanzierung <a href="https://sabinewalther.eu/de/kein-anschluss-ohne-diese-nummern-cpr-und-mitid-in-daenemark/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>eine dänische Steuernummer (CPR-Nummer)</strong></a>. Damit du einziehen kannst, benötigst du eine <a href="https://siri.dk/ophold-i-danmark/#accordion-vejledning-om-ophold-efter-eu-reglerne" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Aufenthaltsbescheinigung der <strong>Einwanderungsbehörde SIRI</strong></a>, die zunächst für fünf Jahre ausgestellt wird. Außerdem musst du dich in Deutschland abmelden und bei der Kommune in Dänemark anmelden.</p>



<h1 class="wp-block-heading">Wie findet man als Deutscher ein Haus in Dänemark?</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Die Dänen sind Meister im Kaufen und Verkaufen von Häusern, denn auch Hausbesitzer ziehen dort im Schnitt alle sieben Jahre um. Die meisten Hausverkäufe finden über einen Makler statt, Privatverkäufe stellen eher die Ausnahme dar. Entsprechend gibt es in allen Regionen eine Vielzahl an Maklern, darunter große Unternehmen wie EDC, die über das ganze Land oder mehrere Regionen verteilt sind, oder regional arbeitende Einzelmakler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die erste Frage, die du beantworten musst, ist natürlich: Wohin möchtest du überhaupt? Denn so klein Dänemark auch ist, so unterschiedlich sind doch die verschiedenen Regionen, also Süd-, West- und Nordjütland, Seeland, Kopenhagen, Bornholm etc. Du solltest dich also – sofern noch nicht geschehen – zunächst mit dem Land und deinen Möglichkeiten vor Ort befassen.</p>



<div style="height:27px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="2560" height="1707" src="http://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/07/steffen-muldbjerg-SmMVE8XpH90-unsplash-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-327" style="aspect-ratio:1.499687641352776;width:666px;height:auto" srcset="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/07/steffen-muldbjerg-SmMVE8XpH90-unsplash-scaled.jpg 2560w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/07/steffen-muldbjerg-SmMVE8XpH90-unsplash-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></figure>
</div>


<div style="height:28px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Onlinesuche und Kontaktaufnahme mit einem Makler in Dänemark</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Haussuche kannst du bequem online starten. Die meisten Angebote findest du auf Plattformen wie <strong><a href="http://boligsiden.dk" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Boligsiden</a></strong>. Dort werden dir zu jedem Haus fünf Bilder, ein kurzer Beschreibungstext sowie die wichtigsten Merkmale wie der Verkaufspreis angezeigt. Interessierst du dich für ein Angebot, kannst du dich von dort direkt auf die Maklerseite weiterleiten lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch den Makler kannst du einfach online kontaktieren. Und das Gute ist: Du erhältst rasch, oft schon binnen einer Stunde, eine Antwort. Häufig kannst du auch online direkt einen Termin vereinbaren oder dich für eine Besichtigung oder einen Tag des offenen Hauses anmelden. Solche Termine werden meist für Häuser angeboten, die stark nachgefragt sind. Der Makler ist dann den ganzen Tag vor Ort und du hast etwa eine halbe Stunde reserviert, um dir das Haus anzuschauen und Fragen zu stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Apropos Fragen. In Süddänemark sprechen die meisten Makler Deutsch. In anderen Landesteilen haben sie meist einfache Deutschkenntnisse, bevorzugen aber, die Verhandlungen auf Englisch zu führen. Falls du bisher also weder Dänisch noch Englisch sprichst, wäre es hilfreich, sich nach jemandem umzusehen, der bei der Besichtigung dolmetschen kann.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Wichtige Informationen vor dem Hauskauf in Dänemark einholen</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den Unterlagen, die du vom Makler erhältst, gehören in der Regel ein <strong>Zustandsbericht (tilstandsrapport)</strong> und ein Bericht über alles, was mit der Stromversorgung zusammenhängt (<strong>el-rapport</strong>). Beide Berichte werden von fachkundigen Unternehmen im Anschluss an eine Begehung erstellt. Ihnen kannst du entnehmen, welche Schäden es gibt, die unbedingt (rot markiert) sofort behoben werden sollten und welche auf Dauer oder gegebenenfalls Handlungsbedarf mit sich bringen (orange und gelb).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Berichte zu lesen, erfordert allerdings nicht nur gute Dänischkenntnisse, man braucht auch ein wenig Erfahrung, um einzuordnen, was dort wirklich steht. Nachdem ich den ersten Zustandsrapport angeschaut hatte, war ich ganz schön erschrocken, weil dort aber auch wirklich jeder kleine Schaden erwähnt und teilweise auch als dringlich markiert war, beispielsweise ein paar Fliesen im Badezimmer, die nicht richtig verklebt waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verlass dich dennoch nicht allein auf die Berichte, schaue dir das Haus auch selbst an. Denn was offensichtlich ist, muss darin auch nicht erwähnt werden. Es geht vor allem um Mängel, die für Laien nicht offensichtlich sind. &nbsp;Letztlich dienen die Berichte nämlich dazu, den Verkäufer zu entlasten, mit dem du später eine Eigentümerwechselversicherung abschließen kannst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ergänzend zu den Berichten kannst du dich auf der Website <strong><a href="https://www.dingeo.dk/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Dingeo</a></strong> über deine Wunschimmobilie informieren. Du findest dort Angaben zum Haus, zur Region bis hin zu deinen Nachbarn. Nicht alle Angaben stimmen zu 100&nbsp; Prozent, aber sie basieren auf den Einträgen im „<a href="https://bbr.dk/forside" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Bygnings- og Boligregistret</strong></a>“, dem dänischen Gebäude- und Wohnungsregister (BBR).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wichtig sind dort auch die Angaben zu Umweltbelastungen – beispielsweise Luftverschmutzung oder Gefahr von Überschwemmungen, zu Details (beispielsweise ob sich auf dem Grundstück noch ein alter Öltank befindet), über Entfernungen zu wichtigen Einrichtungen (Schulen, Einkauf, Arzt) und über die Liegezeit des Hauses. Denn je länger ein Haus bereits unbewohnt ist, desto größer sind die Gefahren, dass Schäden hinzugekommen sind, aber auch die Chancen, den Verkaufspreis noch etwas zu drücken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wichtig ist zudem, dass der Makler dir eine klare Kostenaufstellung vorlegt: Diese umfasst neben dem vereinbarten Kaufpreis auch die<strong> voraussichtlichen Nebenkosten für Grund- und Eigentumsteuer,</strong> für Heizen, Strom und Wasser (Erfahrungswerte der Vorbesitzer) und für grundlegende Versicherungen wie die <strong>Eigentümerwechselversicherung</strong> und eine Brandversicherung.</p>



<div style="height:32px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Dänische Makler als Servicedienstleister</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Deutschland hatte ich nur wenige Kontakte mit Maklern und die waren überwiegend abschreckend. Meist hat man uns nur in eine Kartei aufgenommen und eine Verpflichtungserklärung unterzeichnen lassen, dass wir ein Haus oder eine Wohnung, die über die Maklerseite auffindbar war, nicht privat zu kaufen versuchen. Das war’s.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Dänemark sind die meisten Makler echte Servicedienstleister. Sie reagieren schnell auf deine E-Mail, beantworten geduldig Fragen, nehmen sich Zeit für eine Besichtigung und helfen dir bei allem, was bei einem Hauskauf eben so anfällt, beispielsweise bei der Beantragung einer vorläufigen Steuernummer oder beim <strong>Grundbucheintrag.</strong> Jedenfalls war es bei uns so&nbsp; – auch um die Anmeldung von Strom und Wasser mussten wir uns selbst nicht kümmern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sei dir aber bitte dennoch darüber im Klaren, dass der Makler nicht dich, sondern den Verkäufer vertritt. Viele Käufer lassen sich deshalb zusätzlich anwaltlich beraten und die Kaufdokumente prüfen. Nach der Vertragsunterzeichnung hast du sieben Tage lang das Recht, zu widerrufen. Oft jedoch schriftlich, was aufgrund der langen Postwege kaum erreichbar ist. Anwälte können hier andere Fristen vereinbaren, was ebenfalls von Vorteil ist. Allerdings kostet dich die anwaltliche Begleitung auch ein paar Tausend Euro extra.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Letzte Schritte: Kaufprozess und Bezahlung</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Hast du dich für ein Haus entschieden, wird der Kaufvertrag unterzeichnet. Dazu musst du nicht erneut anreisen, das geht digital. &nbsp;Dafür und für den Eintrag ins Grundbuch <strong><a href="https://sabinewalther.eu/de/kein-anschluss-ohne-diese-nummern-cpr-und-mitid-in-daenemark/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">benötigst du eine Mit-ID</a></strong> (eine dir zugeordnete Identitätsnummer). Im Anschluss an den Hauskauf hast du dann maximal drei Monate Zeit, in dein neues Zuhause umzuziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kosten für den Makler trägt in Dänemark übrigens ausschließlich der Verkäufer. Eine Grunderwerbsteuer gibt es bisher nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diskutiert wird in Dänemark jedoch derzeit (Stand 03/2026), dass extrem hohe Gewinne, die beim Hausverkauf gemacht werden (es geht um Millionensummen) im Rahmen einer Vermögenssteuer besteuert werden könnten – um Spekulationen mit Immobilien zu begrenzen und um der Tendenz steigender Verkaufspreise in bestimmten Gebieten, entgegenzuwirken. Das betrifft dich als Käufer aber erst einmal nicht.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h1 class="wp-block-heading">Nach dem Hauskauf in Dänemark: abmelden, ummelden, anmelden</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Hauskauf hast du einen riesigen Schritt in Richtung „Auswandern nach Dänemark“ getan. Doch geht es jetzt natürlich noch einmal richtig los: Denn du muss alles Mögliche in Deutschland abmelden und mindestens genau so viel in Dänemark wieder anmelden. Dazu gehören</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Strom, Wasser, Müll, GEZ (Müll läuft in DK automatisch, GEZ gibt es nicht)</li>



<li>Zeitungen und postalische Benachrichtigungen/Rechnungen</li>



<li>Internet und Telefon</li>



<li>Steuern und Versicherungen</li>



<li>Konten und Abos</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">und so weiter, und so fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der Umzug will natürlich gut geplant sein. Schließlich kommen ggf. noch die Jobsuche, die Suche nach einem Sprachkurs und diverse Anmeldungen und Registrierungen in Dänemark hinzu, beispielsweise die <strong><a href="https://sabinewalther.eu/de/kein-anschluss-ohne-diese-nummern-cpr-und-mitid-in-daenemark/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Beantragung einer MitID.</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das klingt nach wahnsinnig viel Arbeit. Ist es auch. Aber am Ende ist alles nicht so wild – du schaffst das, genau so, wie es schon viele vor dir geschafft haben. Einen Tipp möchte ich dir aber vorab noch mit auf den Weg geben, weil es oft die kleinen Dinge sind, auf die man zu wenig achtet.</p>



<div style="height:17px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Tipp: Abmeldebescheinigung aus Deutschland gut aufbewahren!</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Melde dich rechtzeitig bei der Meldebehörde ab. Und bewahre die Abmeldebescheinigung gut auf – am besten machst du eine Kopie, denn du benötigst sie am vielen Stellen als Nachweis, dass du tatsächlich nicht mehr vor Ort wohnhaft bist. Idealerweise <strong>verlängerst du v o r deiner Abmeldung noch mal Ausweis und Reisepass und zwar bevorzugt mit einem aktivierten Chip</strong>, der dir in Dänemark Onlinezugänge eröffnet. Denn nach der Abmeldung gibt es in Deutschland keine Meldebehörde mehr, die für dich zuständig ist. Und in Dänemark läuft fast alles digital – was anfangs gewöhnungsbedürftig, auf Dauer aber extrem einfach und zeitsparend ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deine Abmeldebescheinigung musst du auch nach dem Umzug dauerhaft gut aufbewahren, denn du brauchst sie, wenn du bei der Deutschen Botschaft einen neuen Pass oder eine Verlängerung beantragen willst. Das geht zwar auch ohne Bescheinigung, dauert dann aber länger und kostet höherer Gebühren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber jetzt erst einmal: Viel Spaß bei der Suche deines Traumhauses in Dänemark!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>HINWEIS: Dieser Artikel basiert auf den Erfahrungen, die ich selbst gemacht habe. Er dient in keiner Weise der juristischen Beratung oder der Werbung für einen der im Text genannten Dienstleister/Webseitenbetreiber.</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du weitere Fragen oder andere Erfahrungen hast, hinterlasse gern einen Kommentar!</p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/hauskauf-in-daenemark-als-deutscher/">Als Deutsche ein Haus in Dänemark kaufen?</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://sabinewalther.eu/de/hauskauf-in-daenemark-als-deutscher/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>CPR und MIT-ID in Dänemark</title>
		<link>https://sabinewalther.eu/de/kein-anschluss-ohne-diese-nummern-cpr-und-mitid-in-daenemark/</link>
					<comments>https://sabinewalther.eu/de/kein-anschluss-ohne-diese-nummern-cpr-und-mitid-in-daenemark/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[language services]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 May 2026 10:46:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auswandern nach Dänemark]]></category>
		<category><![CDATA[CPR in Dänemark beantragen]]></category>
		<category><![CDATA[MitID in Dänemark beantragen]]></category>
		<category><![CDATA[Steuernummer Dänemark]]></category>
		<category><![CDATA[was ist eine dänische CPR]]></category>
		<category><![CDATA[was ist eine dänische MitID]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sabinewalther.eu/?p=257</guid>

					<description><![CDATA[<p>Kein Anschluss ohne diese Nummern Wer nach Dänemark auswandert, merkt schnell: Es gibt zwei Dinge, ohne die praktisch nichts läuft. Das ist zum einen die dänische Personen- und Steuernummer (CPR), zum anderen die digitale Identitätsnummer (MitID). In diesem Beitrag erkläre ich, wofür du CPR und MitID benötigst und wie du sie (online) beantragen kannst. Die...</p>
<p class="more-link-wrap"><a href="https://sabinewalther.eu/de/kein-anschluss-ohne-diese-nummern-cpr-und-mitid-in-daenemark/" class="more-link">Read More<span class="screen-reader-text"> &#8220;CPR und MIT-ID in Dänemark&#8221;</span> &#187;</a></p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/kein-anschluss-ohne-diese-nummern-cpr-und-mitid-in-daenemark/">CPR und MIT-ID in Dänemark</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading">Kein Anschluss ohne diese Nummern</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wer nach Dänemark auswandert, merkt schnell: Es gibt zwei Dinge, ohne die praktisch nichts läuft. Das ist zum einen die dänische Personen- und Steuernummer (CPR), zum anderen die digitale Identitätsnummer (MitID).</p>



<p class="wp-block-paragraph">In diesem Beitrag erkläre ich, wofür du CPR und MitID benötigst und wie du sie (online) beantragen kannst.</p>



<div style="height:32px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Die CPR-Nummer – mehr als nur eine Identifikationsnummer</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kürzel <strong>CPR </strong>steht für<strong> Central Person Register</strong>, auf Deutsch: Zentrales Personenregister. Das Register erfasst alle in- und ausländischen Personen, die sich länger als drei Monate in Dänemark aufhalten. Du musst daher auch als EU-Bürger eine CPR beantragen, wenn du länger als drei Monate im Land bleiben willst. Die Voraussetzung ist, dass du eine feste Wohnadresse und eine Aufenthaltserlaubnis hast. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Kaufst du in Dänemark ein Haus, beantragt der Makler meist eine vorläufige CPR für dich. Die wird nach deinem Umzug dann als dauerhafte CPR eingetragen. Das macht die Kommune, bei der du dich nach dem Umzug anmeldest. Die CPR-Nummer besteht aus deinem Geburtsdatum und einer vierstelligen Nummer, die nach dem Zufallsprinzip vergeben wird. Sie ist lebenslang gültig, auch wenn du Dänemark eine Zeitlang verlässt und nach Jahren wiederkehrst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da die CPR-Nummer zugleich deine Steuernummer ist, kannst du sie als vorläufige Nummer auch direkt <a href="https://skat.dk/de-de/hilfe/formulare/04-steuern-steuererklaerung-und-veranlagung/04063-dedk-antrag-auf-ausstellung-einer-daenischen-steuerkarte-und-steuer-personennummer" target="_blank" rel="noreferrer noopener">beim dänischen Finanzamt (SKAT) beantragen</a>. Dafür musst du aber bereits eine MitID haben. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch für den <a href="https://sabinewalther.eu/de/hauskauf-in-daenemark-als-deutscher/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hauskauf in Dänemark</a> ist eine (vorläufige) CPR-Nummer erforderlich. Oft helfen die Makler, sie zu beantragen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine CPR-Nummer ist zudem Voraussetzung, um in Dänemark die gelbe Krankenversicherungskarte (sundhedskort) zu erhalten. Für Ausländer, die keinen dänischen Pass haben, dient die Sundhedskort gleichzeitig als ein Ausweis-Ersatz. Denn die Sundhedskort erhält man nur bei gültiger Aufenthaltsgenehmigung.</p>



<div style="height:32px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>MitID – dein digitaler Zugang zu </strong>Behörden und Online-Dienstleistungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die zweite wichtige Kennziffer in Dänemark ist deine MitId. MitID bedeutet übersetzt „meine ID“. Die MitID ermöglicht dir den Zugang zu diversen Onlinediensten. Du benötigst sie, wenn du dich in deinen Bürger-Account einloggen willst, über den du direkten Kontakt mit Behörden hast. Oder wenn du deinen Bibliotheksaccount, dein Bankkonto, deine Versicherungen oder deinen Stromvertrag online aufrufen und nutzen willst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deine MitID besteht aus einer VerbraucherID (UID), einer sechstelligen Ziffernfolge, und einer ebenfalls sechsstelligen PIN. Ihr Vorteil ist, dass du nicht für jeden Dienstanbieter einen eigenen Zugang mit E-Mail-Adresse und Passwort einrichten musst. Stattdessen gibst du auf der Website des Anbieters deine Verbraucher-Nummer ein, öffnest die App auf dem Handy via Eingabe deiner PIN , scannst mit dem Handy einen Barcode und gibst die Anwendung schließlich durch die Eingabe deines MitID-Passwortes frei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fast wie Onlinebanking also. Nur vielseitig nutzbarer.</p>



<div style="height:31px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Nachteile und Gefahren einer digitalen Identität</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Nachteil ist natürlich, dass du ohne CPR und MitID als Ausländer in Dänemark von vielen Dienstleistungen ausgeschlossen bist. Denn ob du den dänischen Zahlungsanbieter <strong>mobilepay </strong>nutzen oder einen <strong>Handyvertrag abschließen</strong> willst – ohne Registrierung und MitID läuft nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt ist das dänische System aus MitID, CPR und Sundhedskort ohnehin so geschlossen, dass es mich anfangs manchmal ein wenig an Szenen aus Hašeks Roman „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ erinnerte: ohne Wohnung keine Aufenthaltsgenehmigung, ohne Aufenthaltsgenehmigung keine CPR, ohne CPR keine Wohnung …</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Deutsche bin ich es zudem gewohnt, solchen Identifizierungsverfahren gegenüber eine gehörige Portion Skepsis mitzubringen. Meiner Ansicht nach schadet das auch weiterhin nicht. Denn ja, die MitID macht dich auf eine Art zum „gläsernen“ Menschen. Nur erlebe ich das in Dänemark nicht annähernd als so bedrohlich wie es in Deutschland für mich der Fall war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht, weil die Grundhaltung zum Staat hier eine andere ist. Weil man trotz der preußischen Strenge, mit der einige dänische Behördenvertreter Zuwanderern begegnen, das Gefühl hat, dass sie letztlich Land und Leuten dienen. Und weil das Vertrauen der Leute in den dänischen Staat noch entsprechend groß ist. Letztlich aber wohl auch, weil die Sache (meistens) funktioniert und die Erleichterung vor allem für Landbewohner spürbar ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ist es nicht gefährlich, für so viele wichtige Vorgänge ein und dieselbe App und dasselbe Passwort zu nutzen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jein. Natürlich musst du dich auch und gerade in Dänemark vor Identitätsdiebstahl schützen. Es gibt sogar eine eigene Versicherung dafür. Aber: Um deine MitID nutzen zu können, müsste ein Handydieb das Passwort für dein Smartphone knacken und deine UID wie auch deine MitID-Pin kennen. Im Moment sind die Chancen dafür noch gering. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die MitID kannst du ebenfalls beim Bürgeramt beantragen. Alternativ kannst du dir die App auf ein Smartphone herunterladen und den <a href="https://www.mitid.dk/en-gb/get-started-with-mitid/get-mitid-with-passport/?language=en-gb" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Antrag online durchführen</a>. Du benötigst ein Mobilgerät mit neuerem Betriebssystem und einen Ausweis oder Reisepass mit Online-Chip.</p>



<div style="height:29px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Warum dieses System so gut funktioniert</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die relativ simple Kombination aus CPR, MitID und Gesundheitskarte ermöglicht eine konsequente Digitalisierung in Dänemark. Prozesse, die in Deutschland Tage oder Wochen dauern, sind in Dänemark oft in wenigen Minuten erledigt. Die Steuererklärung zum Beispiel, die Anmeldung eines neuen Unternehmens oder die Verlängerung deiner ausgeliehenen Bücher in der Bibliothek.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man muss aber fairerweise sagen: Dänemark hat auch nur 5 Millionen Einwohner. Was bedeutet: Selbst deine Handynummer kannst du hier locker auswendig lernen, weil du dir viel weniger Ziffern merken musst. In Deutschland mit seinen 80 Millionen Einwohnern würden wahrscheinlich endlose Zahlenschlangen bei dem Versuch herauskommen, es den Dänen gleichzutun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kommunikation mit Behörden und Ärzten läuft in Dänemark ebenfalls überwiegend online ab. Für die Kommunikation mit Behörden registrierst du dich mit deiner Onlineidentität auf einem dafür vorgesehenen Portal, <a href="https://lifeindenmark.borger.dk/apps-and-digital-services/Digital-Post" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zum Beispiel auf borger.dk.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">CPR und MitID sind in Dänemark somit keine Ziffernfolgen, die du einmal im Jahr mühsam in deine Steuererklärung überträgst. Sie sind Wegbegleiter, die dir zahlreiche Türen zu ganz unterschiedlichen Serviceleistungen eröffnen. Umso wichtiger, dass du sie möglichst rasch beantragst. Denn die Kehrseite der Medaille ist, dass viele Türen versperrt bleiben, solange du noch auf die Registrierung wartest.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>HINWEIS: Dieser Artikel basiert auf den Erfahrungen, die ich selbst gemacht habe. Er dient in keiner Weise der juristischen Beratung oder der Werbung für einen der im Text genannten Dienstleister/Webseitenbetreiber.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn du weitere Fragen oder andere Erfahrungen hast, hinterlasse gern einen Kommentar!</p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/kein-anschluss-ohne-diese-nummern-cpr-und-mitid-in-daenemark/">CPR und MIT-ID in Dänemark</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://sabinewalther.eu/de/kein-anschluss-ohne-diese-nummern-cpr-und-mitid-in-daenemark/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Neues aus der Schreibstube</title>
		<link>https://sabinewalther.eu/de/neues-aus-der-schreibstube/</link>
					<comments>https://sabinewalther.eu/de/neues-aus-der-schreibstube/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[language services]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 13:34:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[was schreibst du gerade]]></category>
		<category><![CDATA[erstes Kapitel vorab lesen]]></category>
		<category><![CDATA[neuer Roman]]></category>
		<category><![CDATA[Romanprojekt verfolgen]]></category>
		<category><![CDATA[Sixten und Elvira]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sabinewalther.eu/?p=352</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wenn der eisige Ostwind weiterhin die Fingerspitzen gefrieren lässt, gibt es nur eine Art, sich zu wehren: Schreiben! Heute stand Kapitel 1 meines neuen Romans auf dem Plan, der von einer tödlich endenden Liebesgeschichte im Dänemark des 19. Jahrhunderts handelt. Erzählt wird die Geschichte von Jesper Hansen, einem jungen Journalisten aus ärmlichen Verhältnissen, der für...</p>
<p class="more-link-wrap"><a href="https://sabinewalther.eu/de/neues-aus-der-schreibstube/" class="more-link">Read More<span class="screen-reader-text"> &#8220;Neues aus der Schreibstube&#8221;</span> &#187;</a></p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/neues-aus-der-schreibstube/">Neues aus der Schreibstube</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Wenn der eisige Ostwind weiterhin die Fingerspitzen gefrieren lässt, gibt es nur eine Art, sich zu wehren: Schreiben! Heute stand Kapitel 1 meines neuen Romans auf dem Plan, der von einer tödlich endenden Liebesgeschichte im Dänemark des 19. Jahrhunderts handelt. Erzählt wird die Geschichte von Jesper Hansen, einem jungen Journalisten aus ärmlichen Verhältnissen, der für die damals moderne Literatur brennt, aber stattdessen ein grundsolides und Anzeigenkundenfreundliches Feuilleton für die <em>Helsingør Posten</em> aufbauen muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Statt also die großen Debatten um Kultur und Gesellschaft zu thematisieren, die die Gemüter im Land erhitzen, soll er auf Geheiß des Redaktionsleiters den sentimental-romantischen Gedichtband eines schwedischen Dragonerleutnants namens Sixten Sparre rezensieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frustriert gibt Jesper nach, denn er ist nicht nur für sich, sondern auch für seine verwitwete Mutter verantwortlich. Doch ein Verrat kommt selten allein – und so nimmt die unheilvolle Geschichte um Jespers große Schuld gegenüber der einzigen Frau, die er jemals lieben würde, schon jetzt ihren Lauf, lange bevor er überhaupt ihren Namen kannte: Elvira „Hedda“ Madigan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kapitel 1 ist online, frisch und unüberarbeitet – aber nicht auf Dauer! Ich freue mich über eure Kritik, euer Feedback, eure Fragen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Update 31.03.2026</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>1 Helsingør 1888</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Freitagsausgabe der <em>Helsingør Posten</em> lag auf dem wackeligen Schreibtisch, den man mir in eine dunkle Ecke geschoben hatte. Es wirkte, als wartete sie darauf, dass sich endlich jemand der vielen entbehrlichen Nachrichten annahm und ihnen Bedeutung beimaß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsicher, was man in der Redaktion von mir erwartete, nahm ich das Blatt zur Hand und tat so, als wäre ich darin vertieft. So entging ich der Peinlichkeit, untätig zwischen meinen geschäftig umhereilenden neuen Kollegen zu stehen. Gleichzeitig half mir das Lesen, die Kälte aus meinen Gedanken und Knochen zu verdrängen, die ein hartnäckiger Ostwind seit Wochen in jeden Winkel Helsingørs trug. Das Feuerholz war längst aufgebraucht, und das Geld reichte nicht für neues. Das zeigten nicht nur die Rechnungen, die Mutter mir fast täglich wortlos und ohne Vorwurf, aber mit traurigem Blick vorlegte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch lange, so schwor ich mir und ihr, würde diese Not nicht mehr dauern. Schließlich hatte ich den Vertrag als leitender Feuilletonredakteur der <em>Helsingør Posten</em> nicht grundlos gegen meine inneren Widersprüche unterschrieben. Wobei „leitender Redakteur“ natürlich reichlich übertrieben war: Außer mir gab es niemanden für das neu einzurichtende Feuilleton, und in der Sonntagsausgabe waren mir ganze zwei Seiten dafür zugedacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber jeder große Plan beginnt mit einem kleinen Schritt, redete ich mir ein. Und da Christiansen noch immer nicht erschienen war, zog ich die <em>Politiken</em> aus Vaters alter Ledertasche, die mir nun als Aktentasche diente. Zielsicher schlug ich den bemerkenswerten Artikel über Georg Brandes auf. Ich hatte ihn bereits zweimal gelesen – und doch beeindruckte mich seine sprachliche Brillanz aufs Neue.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Politiken</em>? Ich hoffe, nur um zu studieren, wie man es besser nicht macht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte ihn nicht kommen hören. Trotz seiner massigen Gestalt bewegte sich Christiansen unhörbar durch die Räume. Umso stärker hallte dafür jedes seiner Worte in einem nach. Er duldete keine Umwege im Gespräch, liebte keine Einleitungen – er kam immer sofort zur Sache. Und Widerworte konnte er mit einer einzigen Geste beiseite wischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei war er kein Mann, der blinden Gehorsam verlangte. Es war eher eine gewisse Langeweile, die ihn abweisend wirken ließ – eine Langeweile, die ihn befiel, sobald ihm Argumente begegneten, die er für abgedroschen oder floskelhaft hielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Immerhin haben sie ihre Auflage seit dem Start mehr als verdreifacht“, wagte ich einzuwenden – und bereute es im selben Moment, als sich sein Blick verdüsterte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja, in der Hauptstadt“, entgegnete er scharf. „Wo sich ein intellektuell übersättigtes Publikum für revolutionär hält, wenn es nur etwas über ein ausschweifendes Leben und den Geruch von Pisse lesen kann.“ Damit war das Thema für ihn erledigt. Dann trat er einen Schritt näher an meinen Schreibtisch. „Aber was ist mit uns?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich dachte, wir beginnen mit etwas, das sicher Auflage bringt“, sagte ich zögernd. „Eine Debatte über die Gleichstellung von Frauen und Männern – natürlich mit literarischem Bezug. Der Streit zwischen Georg Brandes und Elisabeth Grundtvig als Ausgangspunkt. Und mit Charlotte Klein und ihren Lesevereinen könnten wir auch einen lokalen Bezug herstellen, damit—“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ausgeschlossen“, unterbrach mich Christiansen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja“, sagte ich hastig, „Helsingør ist nicht Kopenhagen. Aber die Debatten haben das ganze Land bewegt und …“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Debatte ist vorbei“, schnitt er mir das Wort ab. „Viggo Hørup wurde verurteilt und hat für den Fehler seines schreibenden Revolutionärs bezahlt. Niemand interessiert sich mehr dafür – schon gar nicht hier. Was hast du noch?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich musste passen. Ich hatte mich so sehr in meine Idee verliebt, dass mir gar nicht in den Sinn gekommen war, sie könnte abgelehnt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nun gut“, sagte Christiansen schließlich und legte mir ein schmales Buch mit einem unscheinbaren graugrünen Einband auf den Tisch. „Dann habe ich etwas für dich. Sixten Sparre, schwedischer Dragonerleutnant. Gedichte. Du schreibst eine Rezension.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Gedichte von einem schwedischen Dragoner?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja. Und gar nicht mal so schlecht.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Aber warum?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Christiansen beugte sich leicht vor. „Du bist hier, um das Feuilleton aufzubauen, nicht um es zu revolutionieren. Sauber. Stark. Und vor allem gewinnbringend – für unsere Abonnenten und Anzeigenkunden.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte an meine Mutter. An die Miete. An den Bäcker, der schon zweimal gefragt hatte, wann die Rechnung beglichen werde. Ich dachte an Lones und Vaters leere Plätze am Esstisch, den Mutter Abend für Abend für vier Personen deckte – als wären sie wirklich nur verreist und nicht von einem einfahrenden Zug erfasst worden.</p>



<div style="height:28px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img decoding="async" width="1024" height="578" src="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/03/grafik-1024x578.png" alt="" class="wp-image-1427" style="aspect-ratio:1.7704088497801937;width:733px;height:auto" srcset="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/03/grafik-1024x578.png 1024w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/03/grafik-300x169.png 300w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/03/grafik-768x434.png 768w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/03/grafik.png 1280w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></figure>
</div>


<div style="height:27px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">„Gut“, sagte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich ahnte ja nicht, dass ein einziges Wort genügen kann, um die innere wie die äußere Welt ins Wanken zu bringen. Es war der erste Verrat, den ich beging – aber gewiss nicht der letzte. Es war der erste Schritt in deine Richtung, Geliebte. Aber der Weg begann wie er endete: mit einem Fehltritt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Rosenknospen, die einander küssen und liebkosen. Ein junges Mädchen, das davon träumt, eine Prinzessin zu befreien. Überhaupt diese Mädchen und jungen Frauen: stets wartend, unterworfen, schluchzend – oder bloß schön anzusehen. Üppig ausgestattet, bis zur Erschöpfung gepudert. Oder der harten, düsteren Wirklichkeit ausgeliefert, in der sie von Baronen geschwängert und von Baronessen als Dirnen verstoßen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War darin etwas wie Sozialkritik zu erkennen? Nein. Es waren typische Männergedichte. Gedichte eines Mannes von Stand, der nach einer Armut gierte, die ihm verführerisch und freizügig erschien – und von der er sich in der stümperhaft angestrebten Strenge seiner Verse wieder distanzierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es fehlte ihnen an wirklicher Menschenkenntnis. Alle Gestalten blieben austauschbar; nichts an ihnen wuchs aus einer persönlich erlebten Geschichte oder innerer Wahrheit. Was sie hervorbrachte, war Dragonerromantik, schwärmerische Todessehnsucht und ein vages Pathos, das sich für mitfühlend hielt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich las von einem geschminkten Mädchen im Varieté, dessen goldenes Haar im Gaslicht glänzte wie etwas Heiliges.<br>Ich las von einer blonden Gestalt auf einer Lichtung, die nach der Jagd einen Kranz flocht, während das Blut noch warm im Schnee dampfte.<br>Ich las von einer Liebe, die rein sein sollte, weil sie unerfüllt blieb.<br>Von Erlösung, die einzig im Tod zu finden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte an jenen jungen Professor in Wien, der vor Kurzem Aufsehen erregt hatte, als er über männliche Hysterie schrieb. Sixten Sparre schien mir von eben diesem Schlag zu sein: überbetont männlich, mit Hang zum Exzess, gefangen in einer Vorstellungswelt, die von unterdrückter sexueller Begierde durchdrungen war. Einer Begierde, die den meisten Zeitgenossen als krank erschien, obwohl sie sich an deren verdeckter Bilderwelt berauschten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder ereignete sich – ich erschrak, als sich der erste nagende Zweifel regte – ereignete sich die Übersetzung dieser Bilderwelten lediglich in meinem eigenen Kopf? War allein ich es, den harmlose Zwillingsknospen an eine weibliche Brust erinnerten? War ich es, der in Sparres Verse Bedeutungen hineinlas, die nichts über ihn, aber alles über mich selbst verrieten? Würde ich mich der Lächerlichkeit preisgeben, wenn ich dies in einem schonungslosen Verriss offen eingestünde?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweifel sind wie Zündholzer, die ein Feuer der Wahrheit entfachen. Ob Georg Brandes auch diesen Zweifel an sich selbst gemeint hatte? Ich dachte an meinen Vater. „Suche den Fehler nicht bei anderen, sondern zuerst bei dir selbst“, hatte er stets gesagt, wenn ich mich in stammelnden Ausflüchten verlor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder waren meine Schwedischkenntnisse einfach viel geringer, als ich angenommen hatte? Ich war ja bloß Autodidakt, hatte nie eine Prüfung abgelegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seufzend begann ich von Neuem, kämpfte mich durch die Flut der Gedichte, von denen mir keines einer eingehenden Besprechung würdig erschien. So urteilten auch meine Kollegen, die den Band mit milder Geringschätzung als Werk eines mittelmäßigen Dichters abgetan hatten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch nach wiederholter Lektüre konnte ich dem wenig hinzufügen – außer meiner wachsenden Abneigung gegen das beständige Raunen von Rosenknospen, Morgentau und schluchzenden Mädchen am offenen Grab. Ob Sparre seine eigenen Motive verstand? Ob er sich selbst zu deuten wusste?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war nicht meine Aufgabe, dies zu ergründen. Meine Aufgabe war es, darzustellen, was ich las, und zu erklären, weshalb es den Anforderungen einer zeitgemäßen Literatur nicht genügte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich atmete tief durch. Es war beruhigend, sich auf eine sachliche Ebene zurückziehen zu können. Doch was ich pflichtgemäß begann, verwandelte sich bald in ein Urteil, das schärfer ausfiel, als es mir als Kritiker zustand.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Er verwechselt Empfindung mit Kulisse.<br>Seine Frauen sind keine Menschen, sondern bloße Staffage.<br>In diesen Versen steht die Welt still – und mit ihr der Geist.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Feder kratzte. Zu langsam. Die Gedanken drängten voran.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte an Brandes’ Forderung, Literatur müsse uns vor Probleme stellen. Und hier waren Gedichte, die alles überdeckten – die andeuteten, ohne zu wagen; die in gebundener Form erstarrten und keinen Ausweg kannten als den Tod.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Diese Verse behaupten Reinheit, wo keine ist.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Feder kratzte weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Sie sind sentimental, weil sie jeden Naturalismus leugnen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hielt inne. Wann war aus Zweifel Zorn geworden? Wann aus Zorn Abneigung gegen einen Dichter, dessen Sprache ich nicht wirklich beherrschte? Den ich nicht nach seinen eigenen Maßstäben, sondern als darüberstehender Zensor bewertete? Was brachte mich so in Rage?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Diese Gedichte erneuern nichts. Sie wärmen nicht, so sehr sie es vorgeben. Sie sind bequem, geschrieben aus der selbstzufriedenen Haltung eines Mannes, der nie auf den Grund einer Mädchenseele geblickt hat, ohne den narzisstischen Wunsch, sich selbst darin zu spiegeln.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu hart.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hätte von vorn beginnen sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich tat es nicht. Ich führte die Kritik zu Ende.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wer so schreibt, liebt nicht das Leben, sondern das romantisierte Abbild, das er sich davon gemacht hat.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war keine Kritik mehr. Es war ein Angriff. Egal. Hauptsache ich war rechtzeitig fertig geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch Erleichterung stellte sich nicht ein. Keine Zufriedenheit – nur die Leere dessen, der sich verausgabt hat, ohne sich selbst näherzukommen. Die Standuhr schlug; ihr Klang fiel wie ein Donnerschlag in meine Gedanken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich setze meinen Namen unter den Artikel&nbsp; und brachte ihn zum Setzer. Ich dachte weder an Christiansen noch an die Leser, und schon gar nicht an meinen Auftrag für mehr Abonnements zu sorgen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Setzer sah mich prüfend an, als ahnte er, dass mit diesem Text etwas nicht stimmte. Einen Moment lang hielt er mir die Blätter hin, als wollte er einem Ketzer letzte Gelegenheit geben, sein Geständnis zu widerrufen. Ich nickte ihm freundlich zu und ging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun ist es ausgesprochen, dachte ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann machte ich mich auf den Weg zum Bäcker, um wenigstens einen Teil unserer Schulden zu begleichen.</p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/neues-aus-der-schreibstube/">Neues aus der Schreibstube</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://sabinewalther.eu/de/neues-aus-der-schreibstube/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Autorenalltag</title>
		<link>https://sabinewalther.eu/de/autorenalltag/</link>
					<comments>https://sabinewalther.eu/de/autorenalltag/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[language services]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Jan 2026 13:37:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auswandern nach Dänemark]]></category>
		<category><![CDATA[Buchempfehlung]]></category>
		<category><![CDATA[schreiben lernen]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Vögel im Winter]]></category>
		<category><![CDATA[Winter in Dänemark]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sabinewalther.eu/?p=357</guid>

					<description><![CDATA[<p>„Autorenalltag“ ist ein beliebter Hashtag auf Instagram, den ich selbst für meinen Account dort auch verwende. Allerdings unterscheidet sich ein Autoren- oder Autorinnenalltag wohl gar nicht so sehr von dem anderer Menschen. Mit einer Ausnahme vielleicht, denn wir neigen dazu, in unserer Fantasie immer noch ein paar fiktionale Fakten hinzuzuspinnen. Ob eine Story deshalb weniger...</p>
<p class="more-link-wrap"><a href="https://sabinewalther.eu/de/autorenalltag/" class="more-link">Read More<span class="screen-reader-text"> &#8220;Autorenalltag&#8221;</span> &#187;</a></p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/autorenalltag/">Autorenalltag</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">„Autorenalltag“ ist ein beliebter Hashtag auf Instagram, den ich selbst für <a href="https://www.instagram.com/simsalasab/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">meinen Account dort</a> auch verwende. Allerdings unterscheidet sich ein Autoren- oder Autorinnenalltag wohl gar nicht so sehr von dem anderer Menschen. Mit einer Ausnahme vielleicht, denn wir neigen dazu, in unserer Fantasie immer noch ein paar fiktionale Fakten hinzuzuspinnen. Ob eine Story deshalb weniger wahr ist als die Realität? Manchmal vielleicht. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass jeder von uns über eine eigene Perspektive oder besser gesagt, über einen Standpunkt und Standort verfügt, der von der Wahrheit nicht loszueisen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Apropos Eis: Zum aktuellen Autorenalltag gehören natürlich auch zahlreiche Erlebnisse mit Schnee und Eis hier im kalten Norden. Und wer die Wetterprognosen hier in Jütland oder auch in Deutschland verfolgt, wird nicht umhinkommen zu bemerken: Ein harter Winter gibt ausreichend Anlass zu bemerken, dass auch im Journalismus oft sehr viel Fiktionales hinzugefügt wird. Eine gute Gelegenheit also, um herauszufinden, welche Medien sachlich informieren und welche gern ein wenig Panik verbreiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der angesagte Schneesturm ist zum Glück an uns vorübergegangen und die bisher kälteste Nacht haben wir auch gut überstanden. Als ich gestern am späten Nachmittag bemerkte, wie kalt es wird, sind wir allerdings nochmal schnell losgeschliddert, um in der 12 km entfernten Kleinstadt Türbürsten zu kaufen – denn es zog an allen Ecken und insbesondere durch die Haustür wehte es eisig herein. Aber das konnte erfolgreich gestoppt werden. <img decoding="async" width="16" height="16" src="blob:https://xn--sabinewalther-bcher-kbc.de/5811efb7-8262-4110-a98d-019c38aff59b" alt="&#x263a;"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur die Waschmaschine, die ich extra angestellt hatte, damit nachts warmes Wasser durchs Rohr rauscht, hat in einer Lautstärke geschleudert, dass ich fürchtete, sie schreddert uns gerade Eiswürfel. <img loading="lazy" decoding="async" width="16" height="16" src="blob:https://xn--sabinewalther-bcher-kbc.de/7da30cd2-3585-4e45-bfd4-2af65176558e" alt="&#x1f979;">&nbsp;Ich hoffe, sie wird uns trotzdem weiterhin gute Dienste leisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute ist Langsamzeit eingeplant, auf der To-do-Liste steht: ein bisschen was Leckeres futtern, ein bisschen Fotos gucken und Vögel füttern. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" src="http://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/496845881_2495881464112727_1611364245327726315_n-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1232" style="aspect-ratio:0.7499999773832184;width:290px;height:auto" srcset="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/496845881_2495881464112727_1611364245327726315_n-768x1024.jpg 768w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/496845881_2495881464112727_1611364245327726315_n-225x300.jpg 225w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/496845881_2495881464112727_1611364245327726315_n-1152x1536.jpg 1152w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/496845881_2495881464112727_1611364245327726315_n.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Bleibt zu wünschen, dass ihr auch alle ein warmes Plätzchen, eine gut isolierte Haustür und ausreichend Futter im Haus habt! Und ein gutes Buch natürlich – ich lese aktuell „<a href="https://sabinewalther.eu/de/buchempfehlung-laeseren-der-forsvandt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Leser, der verschwand“ von David L. Ulin</a> und werde in den kommenden Tagen gern davon berichten! Wie sieht es bei euch aus?</p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/autorenalltag/">Autorenalltag</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://sabinewalther.eu/de/autorenalltag/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>La Espeja mit Wow-Effekt? Du entscheidest!</title>
		<link>https://sabinewalther.eu/de/la-espeja-mit-wow-effekt-du-entscheidest/</link>
					<comments>https://sabinewalther.eu/de/la-espeja-mit-wow-effekt-du-entscheidest/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[language services]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Jan 2026 13:43:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchempfehlung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sabinewalther.eu/?p=362</guid>

					<description><![CDATA[<p>8. Januar 2026 Als Autorin gehöre ich normalerweise zu meinen größten Kritikern. Jeder Fehler schmerzt, jede Zeile muss sich bewähren, wenn man das eigene Buch nach ein paar Jahren wieder zur Hand nimmt. Gleichzeitig ist das Wieder-Lesen oft mit einem Erstaunen verbunden, denn tatsächlich gibt es viele Passagen, an die ich mich gar nicht erinnere....</p>
<p class="more-link-wrap"><a href="https://sabinewalther.eu/de/la-espeja-mit-wow-effekt-du-entscheidest/" class="more-link">Read More<span class="screen-reader-text"> &#8220;La Espeja mit Wow-Effekt? Du entscheidest!&#8221;</span> &#187;</a></p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/la-espeja-mit-wow-effekt-du-entscheidest/">La Espeja mit Wow-Effekt? Du entscheidest!</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><time datetime="2026-01-08T13:32:06+01:00">8. Januar 2026</time></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Autorin gehöre ich normalerweise zu meinen größten Kritikern. Jeder Fehler schmerzt, jede Zeile muss sich bewähren, wenn man das eigene Buch nach ein paar Jahren wieder zur Hand nimmt. Gleichzeitig ist das Wieder-Lesen oft mit einem Erstaunen verbunden, denn tatsächlich gibt es viele Passagen, an die ich mich gar nicht erinnere. Das eigene Buch ist einem fremd geworden und erst jetzt merkt man wirklich, ob es sich gelohnt hat, es zu schreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht jedes meiner Bücher kommt glimpflich davon, wenn ich es nach Jahren erneut zur Hand nehme. Das liegt nicht nur an den Texten, es liegt auch daran, dass man sich bestenfalls in der Zwischenzeit weiterentwickelt hat. Eine Entwicklung, die damit beginnt, dass man die Perspektive ändert, den Blick des Lesers einnimmt, statt den des Verfassers.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://sabinewalther.eu/autorin/la-espeja/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">La Espeja – das Fest der 1.000 Wünsche</a> – konnte meinem Blick standhalten. Ich mag den Aufbau, die Erzählweise, die dazu führt, dass sich zwei Personen, die dieselbe Geschichte aus ihrer Perspektive erzählen, zeitlich in entgegengesetzte Richtungen bewegen. Ich mag die vielen kleinen Andeutungen, die eine Verbindung zwischen ihnen schaffen, obwohl sie einander nie bewusst begegnen. (Spoiler: Tatsächlich kommt es zu einer Begegnung, aber Kommissar Neron, eine der beiden Hauptpersonen, liegt derweil ohnmächtig am Boden.) Und ich mag die Vermischung verschiedener Genres, auch wenn dies ein absoluter Verkaufskiller ist, weil sowohl Buchläden als auch Onlineplattformen darauf bestehen, dass sich ein Buch eindeutig zuordnen lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob das Buch aber ein Wow! verdient hat – wie könnte ich das selbst entscheiden. Aber ich mag es eben auch, immer mal wieder etwas Neues auszuprobieren, was meinen bisherigen Überzeugungen widerspricht. In gewissen Grenzen natürlich.</p>



<figure class="wp-block-video"><video height="360" style="aspect-ratio: 360 / 360;" width="360" controls src="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/07/AQNrDa-1YNKDZUslKQvXExoKqpB3pNBovaJWjk-TXLt-vT4kyJqH3T5KLvUNeTAbdQvIhwtmZlo2h-BBZ-VJSVxC1346TqQ7i48-pZjBQ.mp4"></video></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende sind es ja ohnehin immer die Lesenden, die über den Erfolg oder Misserfolg eines Buches entscheiden. Also seid so lieb und entscheidet selbst. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Taschenbuch ist La Espeja <a href="https://www.amazon.de/Espeja-Das-Fest-1000-W%C3%BCnsche/dp/375414894X/ref=cm_cr_arp_d_product_top?ie=UTF8" target="_blank" rel="noreferrer noopener">über diesen Link</a> aufrufbar, zur E-Book-Variante auf Amazon <a href="https://www.amazon.de/Espeja-Das-Fest-1000-W%C3%BCnsche-ebook/dp/B0CVQMN1PV/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=38YRPU6DPGM8I&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.Pzs-tx9DH-CqNzC_kkoRZoS9mw8usixCyduPW3bAW8N27heD-2ZzJ0ZxICdkKLAdt1Ai6HkhMunMGoP0sonVic7tZ_cLJXhrg47fxZu4_29QO3sfcDDAzxI5klndyolY_6uGmHPsdHKDqw7NsH97pYclRM5aJbYttDmaH8E2LfFpuDcc66qTr2BjtGF88KkoEwGVSU0CwJx8CqePkvo_fPh6fDn6TdIrJk3qIKQSdF8.eYdyEczzA__Nj3TV0A7R5Hn9K92oETxgjUtUd_KRTUo&amp;dib_tag=se&amp;keywords=La+Espeja&amp;qid=1767873948&amp;sprefix=la+espeja%2Caps%2C153&amp;sr=8-2" target="_blank" rel="noreferrer noopener">führt euch dieser Link.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/la-espeja-mit-wow-effekt-du-entscheidest/">La Espeja mit Wow-Effekt? Du entscheidest!</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://sabinewalther.eu/de/la-espeja-mit-wow-effekt-du-entscheidest/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		<enclosure url="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/07/AQNrDa-1YNKDZUslKQvXExoKqpB3pNBovaJWjk-TXLt-vT4kyJqH3T5KLvUNeTAbdQvIhwtmZlo2h-BBZ-VJSVxC1346TqQ7i48-pZjBQ.mp4" length="495605" type="video/mp4" />

			</item>
		<item>
		<title>Die vier Jahreszeiten: Gedicht</title>
		<link>https://sabinewalther.eu/de/die-vier-jahreszeiten-gedicht/</link>
					<comments>https://sabinewalther.eu/de/die-vier-jahreszeiten-gedicht/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[language services]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Jan 2026 13:39:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auswandern nach Dänemark]]></category>
		<category><![CDATA[Gedichte]]></category>
		<category><![CDATA[daenisch lernen]]></category>
		<category><![CDATA[Gedicht 4 Jahreszeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Gedicht auf Dänisch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sabinewalther.eu/?p=360</guid>

					<description><![CDATA[<p>Bevor mein Mann und ich nach Jütland ausgewandert sind, haben wir über andere Länder nachgedacht, südliche Länder mit verlockender Wärme. Aber das, was mir dort am meisten fehlen würde, sind die vier Jahreszeiten, die sich hier im Norden so intensiv erleben lassen. Mein erster Versuch, ein Gedicht auf Dänisch zu schreiben, ist daher genau diesem...</p>
<p class="more-link-wrap"><a href="https://sabinewalther.eu/de/die-vier-jahreszeiten-gedicht/" class="more-link">Read More<span class="screen-reader-text"> &#8220;Die vier Jahreszeiten: Gedicht&#8221;</span> &#187;</a></p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/die-vier-jahreszeiten-gedicht/">Die vier Jahreszeiten: Gedicht</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Bevor mein Mann und ich nach Jütland ausgewandert sind, haben wir über andere Länder nachgedacht, südliche Länder mit verlockender Wärme. Aber das, was mir dort am meisten fehlen würde, sind die vier Jahreszeiten, die sich hier im Norden so intensiv erleben lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein erster Versuch, ein Gedicht auf Dänisch zu schreiben, ist daher genau diesem Phänomen gewidmet. Und da mein Dänisch sich auf dem Niveau einer Neuntklässlerin befindet, ist es denkbar einfach gehalten. Andererseits mag ich gerade das Einfache, Klare, Ungekünstelte. Deshalb habe ich die Zeilen leicht angepasst wieder zurück ins Deutsche übertragen. Das Gedicht heißt auf Deutsch „Es soll so“:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>ES SOLL SO</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Winter wird es sicher wieder,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnee und Stille schweben nieder,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eiskristalle, verfroren klar,</p>



<p class="wp-block-paragraph">kritzeln Blüten fürs neue Jahr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Elstern, Finken, Spatzen zanken,</p>



<p class="wp-block-paragraph">unterkühlt sind die Gedanken,</p>



<p class="wp-block-paragraph">innen wärmt Leib und Gemüt</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ofenwärme, Marzipanglück.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Es soll auch wieder Frühling werden,</p>



<p class="wp-block-paragraph">bunt und hoffnungsfroh die Sicht,</p>



<p class="wp-block-paragraph">schon strecken sich in großen Herden</p>



<p class="wp-block-paragraph">frühe Blüten, getauft im Licht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zilpzalp, Rotkehlchen und Meise</p>



<p class="wp-block-paragraph">laden uns zum Frühjahrstanz,</p>



<p class="wp-block-paragraph">tausend Düfte geh‘n auf Reisen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">die Hummel nascht am Weidenkranz.</p>



<div style="height:31px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Es soll wohl wieder Sommer werden,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sonne dehnt sich aus zur Erden,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schwielen schmücken schmerzende Hände,</p>



<p class="wp-block-paragraph">doch feiern wir munter die Sommerwende.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drückende Hitze trägt geduldig das Feld,</p>



<p class="wp-block-paragraph">glühend, schimmernd, alle Rosen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">bis Regen jubelnd zur Erde fällt,</p>



<p class="wp-block-paragraph">gefolgt von Thors ohnmächtigem Tosen.</p>



<div style="height:33px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Endlich wird es Herbst dann werden,</p>



<p class="wp-block-paragraph">unterm Pfeifen ächzt der Knorren,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vertrauen schützt uns vorm Verderben,</p>



<p class="wp-block-paragraph">sind die Sinne nicht verworren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Landmann legt jetzt letzte Hand an,</p>



<p class="wp-block-paragraph">während Wind das Laub verweht,</p>



<p class="wp-block-paragraph">erntet er, was nähren kann,</p>



<p class="wp-block-paragraph">die späte Frucht verlässt das Beet.</p>



<div style="height:29px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Es soll so wieder Winter werden:</p>



<p class="wp-block-paragraph">frisch und neu und doch vertraut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht der letzte für mich auf Erden,</p>



<p class="wp-block-paragraph">doch bis dahin bleib ich laut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Falls ihr euch auch für die dänische Fassung interessiert, werdet ihr durch einen Klick auf die Grafik zu meiner dänischen Website weitergeleitet:</p>



<div style="height:29px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><a href="https://sabinewalther.eu/da/der-skal-dansk-digt/" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="1024" src="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/grafik.png" alt="" class="wp-image-1439" style="width:516px;height:auto" srcset="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/grafik.png 1024w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/grafik-300x300.png 300w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/grafik-150x150.png 150w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/grafik-768x768.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a></figure>
</div><p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/die-vier-jahreszeiten-gedicht/">Die vier Jahreszeiten: Gedicht</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://sabinewalther.eu/de/die-vier-jahreszeiten-gedicht/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein kleiner Gruß zum neuen Jahr – 2026</title>
		<link>https://sabinewalther.eu/de/ein-kleiner-gruss-zum-neuen-jahr-2026/</link>
					<comments>https://sabinewalther.eu/de/ein-kleiner-gruss-zum-neuen-jahr-2026/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[language services]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Jan 2026 13:45:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sabinewalther.eu/?p=365</guid>

					<description><![CDATA[<p>„Doch Sparre war nicht der Typ, der flirtend zurücklächelte oder einer Dame heimlich Avancen machte. Sparre brachte die eng geschnürte und mit Schokoladenkugeln überfütterte Damenwelt an den Rand einer Ohnmacht, weil seine sanften Rehaugen sich nicht an Objekten verfingen, sondern beständig in die Tiefe unserer Existenz zu blicken schienen, wo sie geheimnisvolle Symbole, Metaphern und...</p>
<p class="more-link-wrap"><a href="https://sabinewalther.eu/de/ein-kleiner-gruss-zum-neuen-jahr-2026/" class="more-link">Read More<span class="screen-reader-text"> &#8220;Ein kleiner Gruß zum neuen Jahr – 2026&#8221;</span> &#187;</a></p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/ein-kleiner-gruss-zum-neuen-jahr-2026/">Ein kleiner Gruß zum neuen Jahr – 2026</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">„<em>Doch Sparre war nicht der Typ, der flirtend zurücklächelte oder einer Dame heimlich Avancen machte. Sparre brachte die eng geschnürte und mit Schokoladenkugeln überfütterte Damenwelt an den Rand einer Ohnmacht, weil seine sanften Rehaugen sich nicht an Objekten verfingen, sondern beständig in die Tiefe unserer Existenz zu blicken schienen, wo sie geheimnisvolle Symbole, Metaphern und viele Sonnenaufgänge im Birkenhain vorfanden, was ihn als ebenso feinsinnigen wie melancholischen Mann von Geist auszeichnete.</em>„</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein frohes neues Jahr euch allen da draußen! 2025 war für mich das Jahr, in dem ich am häufigsten „ich lerne gerade“ oder „ich mache gerade zum ersten Mal …“ gesagt und geschrieben habe. Und es war das Jahr, in dem ich einen Garten angelegt, dem Mann beim Sanieren geholfen und den Abschluss der Mittelstufe im Dänisch-Sprachkurs auf B2-Niveau geschafft habe. Neben ein paar anderen Dingen. Es war also ein sehr anstrengedes, geschäftiges Jahr – aber im positiven Sinne. Nur das Schreiben kam natürlich viel zu kurz. Und ihr glaubt ja gar nicht, wie sehr ich es genieße, jetzt wieder vollständige Texte lesen zu können, Bücher, in denen jedes Wort am richtigen Platz steht, statt Lückentexte, in die ich etwas einsetzen muss.</p>



<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="2560" height="1920" src="http://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/schreibstube-scaled.jpg" alt="" class="wp-image-1444" srcset="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/schreibstube-scaled.jpg 2560w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/schreibstube-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px" /></figure>



<div style="height:31px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Schreiben soll es jetzt auch wieder weitergehen. Doch bevor ein neuer Roman entsteht, muss erst einmal die Idee geprüft werden, denn davon habe ich meist mehr als ich in diesem Leben noch umsetzen kann. Und so beginne ich das neue Jahr nun damit, meinen Stoff zu prüfen: Hält er, was er auf den ersten Blick verspricht? Passt die Erzählperspektive? Gibt sie mir die Freiheit, die Dinge so zu erzählen, wie ich sie schildern möchte? Wie kann ich die Ereignisse raffen und wo nehme ich mir genüsslich Zeit?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Zitat oben ist ein erstes Ergebnis aus den Vorarbeiten. Es beschreibt auf leicht ironische Weise einen meiner Protagonisten, den Dragonerleutnant Sixten Sparre aus der Perspektive meines Ich-Erzählers Jesper, einem Journalisten von Helsingør Posten. Doch noch ist es nicht entschieden, <strong>ob ich den Stoff um Elvira Madigan und Sixten Sparre </strong>wirklich aufgreifen kann und will – und ob ich Lust habe, tiefer in ihre Geschichte und ihre Zeit einzutauchen. Andererseits bin ich mir manchmal unsicher, ob man sich die Themen, über die man schreibt, wirklich so frei aussucht, wie man es gern wahrhaben möchte. Wer weiß schon, was uns wirklich lenkt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber keine Sorge, noch stehe ich mit beiden Beinen fest auf jütländischem Boden. Aktuell muss ich sogar aufpassen, nicht festzufrieren, denn die ländliche Gegend hier im Vendsyssel hat sich in eine wunderschöne Winterwunderwelt verwandelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es bleibt also alles in Bewegung. Und ich hoffe, bald mehr berichten zu können. Bis dahin wünsche ich euch allen, dass ihr von den wirklich fürchterlichen Entwicklungen in zu vielen Regionen auf dieser Welt nicht erfasst seid oder werdet. Dass es euch gut geht und ihr den Winter genießen könnt, weil ihr so frei seid, an einen warmen, friedlichen Ort zurückzukehren, wann immer euch danach ist.</p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/ein-kleiner-gruss-zum-neuen-jahr-2026/">Ein kleiner Gruß zum neuen Jahr – 2026</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://sabinewalther.eu/de/ein-kleiner-gruss-zum-neuen-jahr-2026/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Buchempfehlung: Der Leser, der verschwand</title>
		<link>https://sabinewalther.eu/de/buchempfehlung-laeseren-der-forsvandt/</link>
					<comments>https://sabinewalther.eu/de/buchempfehlung-laeseren-der-forsvandt/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[language services]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jan 2026 13:35:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchempfehlung]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[dänische Übersetzerin]]></category>
		<category><![CDATA[dänische Verlage]]></category>
		<category><![CDATA[Lesen]]></category>
		<category><![CDATA[Technologie und Wahrnehmung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://sabinewalther.eu/?p=354</guid>

					<description><![CDATA[<p>von David L. Ulin. Originaltitel: The Lost Art of Reading – Why Books Matter in a Distracted Time. Dänischer Titel: Læseren der forsvandt ”Hvordan kan vi holde en pause, når vi skal vide alt med det samme? Hvordan kan vi ruminere, når der konstant er en forventning om, at vi skal svare?” „Wie können wir...</p>
<p class="more-link-wrap"><a href="https://sabinewalther.eu/de/buchempfehlung-laeseren-der-forsvandt/" class="more-link">Read More<span class="screen-reader-text"> &#8220;Buchempfehlung: Der Leser, der verschwand&#8221;</span> &#187;</a></p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/buchempfehlung-laeseren-der-forsvandt/">Buchempfehlung: Der Leser, der verschwand</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading">von David L. Ulin. Originaltitel: The Lost Art of Reading – Why Books Matter in a Distracted Time.</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dänischer Titel: Læseren der forsvandt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">”<em>Hvordan kan vi holde en pause, når vi skal vide alt med det samme? Hvordan kan vi ruminere, når der konstant er en forventning om, at vi skal svare?”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Wie können wir innehalten, wenn wir alles sofort wissen müssen? Wie können wir nachdenken, wenn ständig von uns erwartet wird, dass wir reagieren?</em>“</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Der Leser, der verschwand“</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Stell dir vor, du gehst zum ersten Mal in eine dir noch unbekannte Bibliothek. Neugierig durchstreifst du die Räumlichkeiten, ziehst hier etwas heraus, stellst dort etwas zurück, freust dich, alte „Bekannte“ zu treffen, und suchst nach dem einen Buch, das dir jetzt gefallen könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann hältst du es plötzlich in Händen, ohne dass ein Algorithmus es dir vorgeschlagen hat, einfach, weil du deiner Intuition gefolgt bist. Noch interessiert es dich nur, der Titel klingt nach etwas, was dich begeistern könnte. Zu Hause nimmst du es zur Hand, vertiefst dich darin und findest dich in einem großen Erstaunen wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn aus all den Tausenden von Büchern hast du ausgerechnet jenes ausgesucht, das dich mitten ins Herz trifft und einen verdorrten Zweig neu aufblühen lässt: die Liebe zum Lesen als inniger Akt der Versenkung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sich die Welt zu eigen machen: Lesen als stummer Dialog</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In „Læseren der forsvandt” geht David L. Ulin auf 190 Seiten der Frage nach, was das Lesen eigentlich (für ihn) bedeutet. Er nimmt uns mit in die Anfänge seiner Leserbiografie, die von Ungeduld und einem Lesehunger geprägt war, der sich nicht als wählerisch erwies, sondern Gefallen an verschiedenen Geschmacksrichtungen fand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ulin beschreibt die Intimität, die einst zwischen Leser und Buch bestand, die Stille des Momentes, die es ermöglichte, ganz in eine fremde, neue Welt einzutauchen; das Gefühl, Teil von etwas Großem, die Welt und die Zeit Umspannenden zu sein: einer Literatur, in der alles aufeinander Bezug nimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Intensität des Lesens ist für heutige Leser und Leserinnen kaum noch nachvollziehbar, auch dann nicht, wenn sie sich sehnsuchtsvoll daran erinnern. Denn Lesen ist nicht nur die Kunst, in einen stummen Dialog mit der Welt der anderen zu treten, Lesen verlangt auch die Disziplin und die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, sich der Welt zu nähern, indem man ihre beständigen Angebote, sich abzulenken, dankend zurückweist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lesen als Akt des Widerstandes</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Lesen, wie man es in vordigitalen Zeiten gelernt und ausgeübt hat, lässt sich daher heute schon wie ein Akt des Widerstandes begreifen, Widerstand gegen das Überschüttetwerden mit Worten, Geräuschen, Informationen, Zeichen, Filmen, Bildchen und Diskussionen, die, ohne dass wir Fragen nach deren Sinnhaftigkeit stellen, ununterbrochen auf Bildschirmen aufploppen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst der geübteste Leser ertappt sich dabei, dass er während des Lesens schon wieder daran denkt, noch eine Mail zu öffnen, einem Link zu folgen, eine Information zu überprüfen oder dies und das am Laptop zu erledigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sieht sich zudem einer Informationsflut ausgesetzt, in der er beständig aufgefordert ist, alles sofort wissen zu müssen, auf alles eine Antwort zu haben, ohne dass es noch einen Zusammenhang zwischen den Fragen oder Nachrichten gibt, die täglich auf uns einprasseln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig sieht er sich mit einem Verlust an Ausdrucks- und Differenzierungsfähigkeit konfrontiert, die dazu beiträgt, dass nur noch allerbanalste Gedanken und Informationen verstanden und verarbeitet werden können. Denn anders als die Sprache, ist das Bild bezogen aufs Individuum nicht interaktiv, im Gegenteil:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>”Her har vi den vigtigste forskel mellem bøger og billeder, levende eller andre – den måde førstnævnte kommer indefra og ud, mens det er omvendt med sidsnævnte. Sprog er indvendigt, det beder os om at skabe </em><strong>vores</strong><em> billeder, </em><strong>vores</strong> <em>film, </em><strong>vores</strong><em> virkelighed ud fra andre menneskers ord. Det er kilden til dets kraft, at det er interaktivt i ordets mest oprindelige betydning.</em>”</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hier haben wir den wichtigsten Unterschied zwischen Büchern und Bildern, ob bewegt oder nicht – die Art und Weise, wie erstere von innen nach außen kommen, während es bei Letzteren umgekehrt ist. Sprache ist inwendig, sie fordert uns auf, <strong>unsere</strong> Bilder, <strong>unsere </strong>Filme, <strong>unsere</strong> Realität aus den Worten anderer Menschen zu erschaffen. Das ist die Quelle ihrer Kraft, dass sie im ursprünglichsten Sinne des Wortes interaktiv ist.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lesevergnügen, das hoffen lässt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ist „Der Leser, der verschwand“ beileibe keine technikfeindliche oder einseitig nostalgische Rückschau. Was nach einer aussichtslosen Geschichte klingt, wird getragen von der Hoffnung, dass das Lesen selbst als Kulturtechnik nicht verschwinden wird, auch wenn es sich verändert. Ob diese Hoffnung Bestand haben kann, oder ob sie lediglich aus dem Wunsch rührt, in der Welt, in die die eigenen Kinder hineinwachsen, noch etwas Tröstliches zu finden, lasse ich dahingestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ulin selbst leistet aus meiner Sicht mit diesem Buch einen großartigen Beitrag dazu, uns Leser und Leserinnen daran zu erinnern, wie atemberaubend oder atemberuhigend und intensiv das Lesen einmal für uns war und vielleicht, wenn wir uns diese Fähigkeit zurückerobern, zumindest annähernd wieder sein könnte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lesenswerte Zusammenschau: persönliche Erinnerung und fachliche Einordnung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ulins essayistischer, wortgewandter Schreibstil, sein beeindruckendes Wissen um die amerikanische, aber auch um die internationale Literatur machen das Lesen zu einem Vergnügen, auch wenn man wie ich noch mit der dänischen Sprache ringt. Persönliche Erfahrungen werden um fachliche Ausführungen ergänzt, die kurz und leicht verständlich erklären, wie&nbsp; moderne digitale Technologien auf unsere Fähigkeit zum Lesen einwirken, wie sie innerhalb kürzester Zeit unsere Hirnaktivität sowie Wahrnehmung verändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus geht Ulin auf den Wandel der Kommunikationsformen ein, in dem wir uns nun seit mehreren Jahrzehnten befinden, und vergleicht ihn mit eben jener Epoche, in der die Druckerpresse den Übergang von einer oralen zu einer schriftbasierten Ordnung ermöglichte, mit ebenso großartigen wie fatalen Auswirkungen für den einzelnen wie für die geostrategische „Neuordnung“ der Welt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Autoren wie F. Scott Fitzgerald (Der große Gatsby) oder Franz Kafka (Die Verwandlung) werden daher auch bedeutende Medientheoretiker wie Marshall McLuhan oder Walter J. Ong zitiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Læseren der forsvandt” umfasst in dänischer Sprache 196 Seiten. Das Buch erschien ursprünglich in englischer Sprache unter dem Titel: <em>The Lost Art of Reading – Why Books Matter in a Distracted Time.</em> Mir gefällt der dänische Titel deutlich besser, weil er mit der Vieldeutigkeit dieses Verschwindens und mit der Fähigkeit spielt, zwei Gedanken, die einander widersprechen, zu denken, ohne darüber verwirrt zu sein. Eine Kunst, die Ulin zufolge, insbesondere Autoren und Leser eint und die in den endlosen Onlinedebatten heute kaum noch vorzufinden ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Autor, Übersetzerin, Verlag</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kritiker, Essayist, Herausgeber, Schriftsteller, Dozent: Der Amerikaner <strong><a href="https://davidulin.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">David L. Ulin</a></strong> ist durch und durch ein Mann des Buches. Ein Leser, der nicht nach Inhalten oder Informationen jagt, sondern den Akt des Lesens selbst genießt. Ausgangspunkt für das vorliegende Buch ist ein Essay, den er für die Los Angeles Times schrieb; Anlass war ein Gespräch mit seinem Sohn über das Lesen, das Ulin zu der schmerzhaften Einsicht brachte, dass sich seine eigene Art zu lesen bereits an das Brummen des digitalen Zeitalters angepasst hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ins Dänische übertragen wurde das Buch von der dänischen Übersetzerin und Autorin <strong><a href="https://da.wikipedia.org/wiki/Lotte_Kirkeby" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lotte Kirkeby Hansen</a></strong>. Hansen hat mehrere Fachbücher mit herausgegeben, 2016 debütierte sie als Novellenautorin, 2019 wurde ihr erster Roman <em>De Nærmeste </em>für den dänischen Radiopreis nominiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://jensenogdalgaard.dk/shop/non-fiktion/362-jd.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Verlag <strong>Jensen &amp; Dalgaard</strong> </a>ist ein inhabergeführter Buchverlag mit den Schwerpunkten Belletristik, Sachbuch („Gesellschaft und Existenz“) und Kinderbuch. Beim Stöbern auf den Verlagsseiten fielen mir nicht nur weitere spannende Titel auf, auch die Liebe zur Gestaltung fällt hier sofort ins Auge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die englischsprachige Ausgabe unter dem Titel „The Lost Art Of Reading“ findet ihr auf allen bekannten Verkaufsseiten, als Printausgabe und als E-Book, <a href="https://www.amazon.com/Lost-Art-Reading-Matter-Distracted/dp/1570616701" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zum Beispiel bei Amazon.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bibliografische Angaben</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Læseren der forsvandt – Bogens betydning i en distraheret tid</p>



<p class="wp-block-paragraph">Autor: David L. Ulin</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übersetzerin: Lotte Kirkeby Hansen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verlag und Jahr: Jensen &amp; Dalgaard, 2019</p>



<p class="wp-block-paragraph">ISBN: 978-87-7151-515-2</p>



<p class="wp-block-paragraph">Preis: 268,00 kr.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>The post <a href="https://sabinewalther.eu/de/buchempfehlung-laeseren-der-forsvandt/">Buchempfehlung: Der Leser, der verschwand</a> appeared first on <a href="https://sabinewalther.eu/de/startseite">Sabine Walther - Language Services</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://sabinewalther.eu/de/buchempfehlung-laeseren-der-forsvandt/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>

<!--
Object Caching 29/116 objects using Disk
Page Caching using Disk: Enhanced 

Served from: sabinewalther.eu @ 2026-08-27 06:43:31 by W3 Total Cache
-->