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	<title>Buchempfehlung Archives - Sabine Walther - Language Services</title>
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	<title>Buchempfehlung Archives - Sabine Walther - Language Services</title>
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		<title>Autorenalltag</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Jan 2026 13:37:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Auswandern nach Dänemark]]></category>
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		<category><![CDATA[schreiben lernen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Autorenalltag“ ist ein beliebter Hashtag auf Instagram, den ich selbst für meinen Account dort auch verwende. Allerdings unterscheidet sich ein Autoren- oder Autorinnenalltag wohl gar nicht so sehr von dem anderer Menschen. Mit einer Ausnahme vielleicht, denn wir neigen dazu, in unserer Fantasie immer noch ein paar fiktionale Fakten hinzuzuspinnen. Ob eine Story deshalb weniger...</p>
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<p class="wp-block-paragraph">„Autorenalltag“ ist ein beliebter Hashtag auf Instagram, den ich selbst für <a href="https://www.instagram.com/simsalasab/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">meinen Account dort</a> auch verwende. Allerdings unterscheidet sich ein Autoren- oder Autorinnenalltag wohl gar nicht so sehr von dem anderer Menschen. Mit einer Ausnahme vielleicht, denn wir neigen dazu, in unserer Fantasie immer noch ein paar fiktionale Fakten hinzuzuspinnen. Ob eine Story deshalb weniger wahr ist als die Realität? Manchmal vielleicht. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass jeder von uns über eine eigene Perspektive oder besser gesagt, über einen Standpunkt und Standort verfügt, der von der Wahrheit nicht loszueisen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Apropos Eis: Zum aktuellen Autorenalltag gehören natürlich auch zahlreiche Erlebnisse mit Schnee und Eis hier im kalten Norden. Und wer die Wetterprognosen hier in Jütland oder auch in Deutschland verfolgt, wird nicht umhinkommen zu bemerken: Ein harter Winter gibt ausreichend Anlass zu bemerken, dass auch im Journalismus oft sehr viel Fiktionales hinzugefügt wird. Eine gute Gelegenheit also, um herauszufinden, welche Medien sachlich informieren und welche gern ein wenig Panik verbreiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der angesagte Schneesturm ist zum Glück an uns vorübergegangen und die bisher kälteste Nacht haben wir auch gut überstanden. Als ich gestern am späten Nachmittag bemerkte, wie kalt es wird, sind wir allerdings nochmal schnell losgeschliddert, um in der 12 km entfernten Kleinstadt Türbürsten zu kaufen – denn es zog an allen Ecken und insbesondere durch die Haustür wehte es eisig herein. Aber das konnte erfolgreich gestoppt werden. <img decoding="async" width="16" height="16" src="blob:https://xn--sabinewalther-bcher-kbc.de/5811efb7-8262-4110-a98d-019c38aff59b" alt="&#x263a;"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur die Waschmaschine, die ich extra angestellt hatte, damit nachts warmes Wasser durchs Rohr rauscht, hat in einer Lautstärke geschleudert, dass ich fürchtete, sie schreddert uns gerade Eiswürfel. <img decoding="async" width="16" height="16" src="blob:https://xn--sabinewalther-bcher-kbc.de/7da30cd2-3585-4e45-bfd4-2af65176558e" alt="&#x1f979;">&nbsp;Ich hoffe, sie wird uns trotzdem weiterhin gute Dienste leisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute ist Langsamzeit eingeplant, auf der To-do-Liste steht: ein bisschen was Leckeres futtern, ein bisschen Fotos gucken und Vögel füttern. </p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="768" height="1024" src="http://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/496845881_2495881464112727_1611364245327726315_n-768x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1232" style="aspect-ratio:0.7499999773832184;width:290px;height:auto" srcset="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/496845881_2495881464112727_1611364245327726315_n-768x1024.jpg 768w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/496845881_2495881464112727_1611364245327726315_n-225x300.jpg 225w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/496845881_2495881464112727_1611364245327726315_n-1152x1536.jpg 1152w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/01/496845881_2495881464112727_1611364245327726315_n.jpg 1200w" sizes="(max-width: 768px) 100vw, 768px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Bleibt zu wünschen, dass ihr auch alle ein warmes Plätzchen, eine gut isolierte Haustür und ausreichend Futter im Haus habt! Und ein gutes Buch natürlich – ich lese aktuell „<a href="https://sabinewalther.eu/de/buchempfehlung-laeseren-der-forsvandt/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Der Leser, der verschwand“ von David L. Ulin</a> und werde in den kommenden Tagen gern davon berichten! Wie sieht es bei euch aus?</p>
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		<title>La Espeja mit Wow-Effekt? Du entscheidest!</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Jan 2026 13:43:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchempfehlung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>8. Januar 2026 Als Autorin gehöre ich normalerweise zu meinen größten Kritikern. Jeder Fehler schmerzt, jede Zeile muss sich bewähren, wenn man das eigene Buch nach ein paar Jahren wieder zur Hand nimmt. Gleichzeitig ist das Wieder-Lesen oft mit einem Erstaunen verbunden, denn tatsächlich gibt es viele Passagen, an die ich mich gar nicht erinnere....</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><time datetime="2026-01-08T13:32:06+01:00">8. Januar 2026</time></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Autorin gehöre ich normalerweise zu meinen größten Kritikern. Jeder Fehler schmerzt, jede Zeile muss sich bewähren, wenn man das eigene Buch nach ein paar Jahren wieder zur Hand nimmt. Gleichzeitig ist das Wieder-Lesen oft mit einem Erstaunen verbunden, denn tatsächlich gibt es viele Passagen, an die ich mich gar nicht erinnere. Das eigene Buch ist einem fremd geworden und erst jetzt merkt man wirklich, ob es sich gelohnt hat, es zu schreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht jedes meiner Bücher kommt glimpflich davon, wenn ich es nach Jahren erneut zur Hand nehme. Das liegt nicht nur an den Texten, es liegt auch daran, dass man sich bestenfalls in der Zwischenzeit weiterentwickelt hat. Eine Entwicklung, die damit beginnt, dass man die Perspektive ändert, den Blick des Lesers einnimmt, statt den des Verfassers.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://sabinewalther.eu/autorin/la-espeja/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">La Espeja – das Fest der 1.000 Wünsche</a> – konnte meinem Blick standhalten. Ich mag den Aufbau, die Erzählweise, die dazu führt, dass sich zwei Personen, die dieselbe Geschichte aus ihrer Perspektive erzählen, zeitlich in entgegengesetzte Richtungen bewegen. Ich mag die vielen kleinen Andeutungen, die eine Verbindung zwischen ihnen schaffen, obwohl sie einander nie bewusst begegnen. (Spoiler: Tatsächlich kommt es zu einer Begegnung, aber Kommissar Neron, eine der beiden Hauptpersonen, liegt derweil ohnmächtig am Boden.) Und ich mag die Vermischung verschiedener Genres, auch wenn dies ein absoluter Verkaufskiller ist, weil sowohl Buchläden als auch Onlineplattformen darauf bestehen, dass sich ein Buch eindeutig zuordnen lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob das Buch aber ein Wow! verdient hat – wie könnte ich das selbst entscheiden. Aber ich mag es eben auch, immer mal wieder etwas Neues auszuprobieren, was meinen bisherigen Überzeugungen widerspricht. In gewissen Grenzen natürlich.</p>



<figure class="wp-block-video"><video height="360" style="aspect-ratio: 360 / 360;" width="360" controls src="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2026/07/AQNrDa-1YNKDZUslKQvXExoKqpB3pNBovaJWjk-TXLt-vT4kyJqH3T5KLvUNeTAbdQvIhwtmZlo2h-BBZ-VJSVxC1346TqQ7i48-pZjBQ.mp4"></video></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende sind es ja ohnehin immer die Lesenden, die über den Erfolg oder Misserfolg eines Buches entscheiden. Also seid so lieb und entscheidet selbst. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Taschenbuch ist La Espeja <a href="https://www.amazon.de/Espeja-Das-Fest-1000-W%C3%BCnsche/dp/375414894X/ref=cm_cr_arp_d_product_top?ie=UTF8" target="_blank" rel="noreferrer noopener">über diesen Link</a> aufrufbar, zur E-Book-Variante auf Amazon <a href="https://www.amazon.de/Espeja-Das-Fest-1000-W%C3%BCnsche-ebook/dp/B0CVQMN1PV/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&amp;crid=38YRPU6DPGM8I&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.Pzs-tx9DH-CqNzC_kkoRZoS9mw8usixCyduPW3bAW8N27heD-2ZzJ0ZxICdkKLAdt1Ai6HkhMunMGoP0sonVic7tZ_cLJXhrg47fxZu4_29QO3sfcDDAzxI5klndyolY_6uGmHPsdHKDqw7NsH97pYclRM5aJbYttDmaH8E2LfFpuDcc66qTr2BjtGF88KkoEwGVSU0CwJx8CqePkvo_fPh6fDn6TdIrJk3qIKQSdF8.eYdyEczzA__Nj3TV0A7R5Hn9K92oETxgjUtUd_KRTUo&amp;dib_tag=se&amp;keywords=La+Espeja&amp;qid=1767873948&amp;sprefix=la+espeja%2Caps%2C153&amp;sr=8-2" target="_blank" rel="noreferrer noopener">führt euch dieser Link.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Buchempfehlung: Der Leser, der verschwand</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jan 2026 13:35:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchempfehlung]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[dänische Übersetzerin]]></category>
		<category><![CDATA[dänische Verlage]]></category>
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		<category><![CDATA[Technologie und Wahrnehmung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>von David L. Ulin. Originaltitel: The Lost Art of Reading – Why Books Matter in a Distracted Time. Dänischer Titel: Læseren der forsvandt ”Hvordan kan vi holde en pause, når vi skal vide alt med det samme? Hvordan kan vi ruminere, når der konstant er en forventning om, at vi skal svare?” „Wie können wir...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading">von David L. Ulin. Originaltitel: The Lost Art of Reading – Why Books Matter in a Distracted Time.</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dänischer Titel: Læseren der forsvandt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">”<em>Hvordan kan vi holde en pause, når vi skal vide alt med det samme? Hvordan kan vi ruminere, når der konstant er en forventning om, at vi skal svare?”</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Wie können wir innehalten, wenn wir alles sofort wissen müssen? Wie können wir nachdenken, wenn ständig von uns erwartet wird, dass wir reagieren?</em>“</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Der Leser, der verschwand“</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Stell dir vor, du gehst zum ersten Mal in eine dir noch unbekannte Bibliothek. Neugierig durchstreifst du die Räumlichkeiten, ziehst hier etwas heraus, stellst dort etwas zurück, freust dich, alte „Bekannte“ zu treffen, und suchst nach dem einen Buch, das dir jetzt gefallen könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann hältst du es plötzlich in Händen, ohne dass ein Algorithmus es dir vorgeschlagen hat, einfach, weil du deiner Intuition gefolgt bist. Noch interessiert es dich nur, der Titel klingt nach etwas, was dich begeistern könnte. Zu Hause nimmst du es zur Hand, vertiefst dich darin und findest dich in einem großen Erstaunen wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn aus all den Tausenden von Büchern hast du ausgerechnet jenes ausgesucht, das dich mitten ins Herz trifft und einen verdorrten Zweig neu aufblühen lässt: die Liebe zum Lesen als inniger Akt der Versenkung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sich die Welt zu eigen machen: Lesen als stummer Dialog</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In „Læseren der forsvandt” geht David L. Ulin auf 190 Seiten der Frage nach, was das Lesen eigentlich (für ihn) bedeutet. Er nimmt uns mit in die Anfänge seiner Leserbiografie, die von Ungeduld und einem Lesehunger geprägt war, der sich nicht als wählerisch erwies, sondern Gefallen an verschiedenen Geschmacksrichtungen fand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ulin beschreibt die Intimität, die einst zwischen Leser und Buch bestand, die Stille des Momentes, die es ermöglichte, ganz in eine fremde, neue Welt einzutauchen; das Gefühl, Teil von etwas Großem, die Welt und die Zeit Umspannenden zu sein: einer Literatur, in der alles aufeinander Bezug nimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Intensität des Lesens ist für heutige Leser und Leserinnen kaum noch nachvollziehbar, auch dann nicht, wenn sie sich sehnsuchtsvoll daran erinnern. Denn Lesen ist nicht nur die Kunst, in einen stummen Dialog mit der Welt der anderen zu treten, Lesen verlangt auch die Disziplin und die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, sich der Welt zu nähern, indem man ihre beständigen Angebote, sich abzulenken, dankend zurückweist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lesen als Akt des Widerstandes</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Lesen, wie man es in vordigitalen Zeiten gelernt und ausgeübt hat, lässt sich daher heute schon wie ein Akt des Widerstandes begreifen, Widerstand gegen das Überschüttetwerden mit Worten, Geräuschen, Informationen, Zeichen, Filmen, Bildchen und Diskussionen, die, ohne dass wir Fragen nach deren Sinnhaftigkeit stellen, ununterbrochen auf Bildschirmen aufploppen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst der geübteste Leser ertappt sich dabei, dass er während des Lesens schon wieder daran denkt, noch eine Mail zu öffnen, einem Link zu folgen, eine Information zu überprüfen oder dies und das am Laptop zu erledigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er sieht sich zudem einer Informationsflut ausgesetzt, in der er beständig aufgefordert ist, alles sofort wissen zu müssen, auf alles eine Antwort zu haben, ohne dass es noch einen Zusammenhang zwischen den Fragen oder Nachrichten gibt, die täglich auf uns einprasseln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig sieht er sich mit einem Verlust an Ausdrucks- und Differenzierungsfähigkeit konfrontiert, die dazu beiträgt, dass nur noch allerbanalste Gedanken und Informationen verstanden und verarbeitet werden können. Denn anders als die Sprache, ist das Bild bezogen aufs Individuum nicht interaktiv, im Gegenteil:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>”Her har vi den vigtigste forskel mellem bøger og billeder, levende eller andre – den måde førstnævnte kommer indefra og ud, mens det er omvendt med sidsnævnte. Sprog er indvendigt, det beder os om at skabe </em><strong>vores</strong><em> billeder, </em><strong>vores</strong> <em>film, </em><strong>vores</strong><em> virkelighed ud fra andre menneskers ord. Det er kilden til dets kraft, at det er interaktivt i ordets mest oprindelige betydning.</em>”</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Hier haben wir den wichtigsten Unterschied zwischen Büchern und Bildern, ob bewegt oder nicht – die Art und Weise, wie erstere von innen nach außen kommen, während es bei Letzteren umgekehrt ist. Sprache ist inwendig, sie fordert uns auf, <strong>unsere</strong> Bilder, <strong>unsere </strong>Filme, <strong>unsere</strong> Realität aus den Worten anderer Menschen zu erschaffen. Das ist die Quelle ihrer Kraft, dass sie im ursprünglichsten Sinne des Wortes interaktiv ist.“</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lesevergnügen, das hoffen lässt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Doch ist „Der Leser, der verschwand“ beileibe keine technikfeindliche oder einseitig nostalgische Rückschau. Was nach einer aussichtslosen Geschichte klingt, wird getragen von der Hoffnung, dass das Lesen selbst als Kulturtechnik nicht verschwinden wird, auch wenn es sich verändert. Ob diese Hoffnung Bestand haben kann, oder ob sie lediglich aus dem Wunsch rührt, in der Welt, in die die eigenen Kinder hineinwachsen, noch etwas Tröstliches zu finden, lasse ich dahingestellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ulin selbst leistet aus meiner Sicht mit diesem Buch einen großartigen Beitrag dazu, uns Leser und Leserinnen daran zu erinnern, wie atemberaubend oder atemberuhigend und intensiv das Lesen einmal für uns war und vielleicht, wenn wir uns diese Fähigkeit zurückerobern, zumindest annähernd wieder sein könnte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Lesenswerte Zusammenschau: persönliche Erinnerung und fachliche Einordnung</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ulins essayistischer, wortgewandter Schreibstil, sein beeindruckendes Wissen um die amerikanische, aber auch um die internationale Literatur machen das Lesen zu einem Vergnügen, auch wenn man wie ich noch mit der dänischen Sprache ringt. Persönliche Erfahrungen werden um fachliche Ausführungen ergänzt, die kurz und leicht verständlich erklären, wie&nbsp; moderne digitale Technologien auf unsere Fähigkeit zum Lesen einwirken, wie sie innerhalb kürzester Zeit unsere Hirnaktivität sowie Wahrnehmung verändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus geht Ulin auf den Wandel der Kommunikationsformen ein, in dem wir uns nun seit mehreren Jahrzehnten befinden, und vergleicht ihn mit eben jener Epoche, in der die Druckerpresse den Übergang von einer oralen zu einer schriftbasierten Ordnung ermöglichte, mit ebenso großartigen wie fatalen Auswirkungen für den einzelnen wie für die geostrategische „Neuordnung“ der Welt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben Autoren wie F. Scott Fitzgerald (Der große Gatsby) oder Franz Kafka (Die Verwandlung) werden daher auch bedeutende Medientheoretiker wie Marshall McLuhan oder Walter J. Ong zitiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Læseren der forsvandt” umfasst in dänischer Sprache 196 Seiten. Das Buch erschien ursprünglich in englischer Sprache unter dem Titel: <em>The Lost Art of Reading – Why Books Matter in a Distracted Time.</em> Mir gefällt der dänische Titel deutlich besser, weil er mit der Vieldeutigkeit dieses Verschwindens und mit der Fähigkeit spielt, zwei Gedanken, die einander widersprechen, zu denken, ohne darüber verwirrt zu sein. Eine Kunst, die Ulin zufolge, insbesondere Autoren und Leser eint und die in den endlosen Onlinedebatten heute kaum noch vorzufinden ist.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Autor, Übersetzerin, Verlag</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Kritiker, Essayist, Herausgeber, Schriftsteller, Dozent: Der Amerikaner <strong><a href="https://davidulin.com" target="_blank" rel="noreferrer noopener">David L. Ulin</a></strong> ist durch und durch ein Mann des Buches. Ein Leser, der nicht nach Inhalten oder Informationen jagt, sondern den Akt des Lesens selbst genießt. Ausgangspunkt für das vorliegende Buch ist ein Essay, den er für die Los Angeles Times schrieb; Anlass war ein Gespräch mit seinem Sohn über das Lesen, das Ulin zu der schmerzhaften Einsicht brachte, dass sich seine eigene Art zu lesen bereits an das Brummen des digitalen Zeitalters angepasst hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ins Dänische übertragen wurde das Buch von der dänischen Übersetzerin und Autorin <strong><a href="https://da.wikipedia.org/wiki/Lotte_Kirkeby" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Lotte Kirkeby Hansen</a></strong>. Hansen hat mehrere Fachbücher mit herausgegeben, 2016 debütierte sie als Novellenautorin, 2019 wurde ihr erster Roman <em>De Nærmeste </em>für den dänischen Radiopreis nominiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der <a href="https://jensenogdalgaard.dk/shop/non-fiktion/362-jd.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Verlag <strong>Jensen &amp; Dalgaard</strong> </a>ist ein inhabergeführter Buchverlag mit den Schwerpunkten Belletristik, Sachbuch („Gesellschaft und Existenz“) und Kinderbuch. Beim Stöbern auf den Verlagsseiten fielen mir nicht nur weitere spannende Titel auf, auch die Liebe zur Gestaltung fällt hier sofort ins Auge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die englischsprachige Ausgabe unter dem Titel „The Lost Art Of Reading“ findet ihr auf allen bekannten Verkaufsseiten, als Printausgabe und als E-Book, <a href="https://www.amazon.com/Lost-Art-Reading-Matter-Distracted/dp/1570616701" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zum Beispiel bei Amazon.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bibliografische Angaben</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Titel: Læseren der forsvandt – Bogens betydning i en distraheret tid</p>



<p class="wp-block-paragraph">Autor: David L. Ulin</p>



<p class="wp-block-paragraph">Übersetzerin: Lotte Kirkeby Hansen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verlag und Jahr: Jensen &amp; Dalgaard, 2019</p>



<p class="wp-block-paragraph">ISBN: 978-87-7151-515-2</p>



<p class="wp-block-paragraph">Preis: 268,00 kr.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Georg Brandes: Der Wahrheitshass.</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Sep 2025 13:48:27 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[daenische Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Politik und Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[dänische Literaturgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[dänische Literaturkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland 1880]]></category>
		<category><![CDATA[erster Weltkrieg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Über Deutschland und Europa 1880 – 1925. Rezension „Aber wenn die Menschen schweigen, werden die Steine reden.“[i] Vor Kurzem habe ich euch den dänischen Gelehrten und Schriftsteller Georg Brandes als Literaturkritiker vorgestellt. Heute möchte ich euch die Sammlung „Der Wahrheitshass“ empfehlen, für die verschiedene Aufsätze, Notizen und Essays von Brandes aus den Jahren 1880 bis...</p>
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<h2 class="wp-block-heading"><strong>Über Deutschland und Europa 1880 – 1925. Rezension</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Aber wenn die Menschen schweigen, werden die Steine reden</em>.“<a href="https://xn--sabinewalther-bcher-kbc.de/georg-brandes-der-wahrheitshass/#_edn1">[i]</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor Kurzem habe ich euch den dänischen Gelehrten und Schriftsteller Georg Brandes als Literaturkritiker vorgestellt. Heute möchte ich euch die Sammlung „Der Wahrheitshass“ empfehlen, für die verschiedene Aufsätze, Notizen und Essays von Brandes aus den Jahren 1880 bis 1925 von Hanns Grössel ausgewählt und kommentiert wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die im Berenberg-Verlag erschienene Sammlung „Der Wahrheitshass“ umfasst 21 Texte, die auf drei Kapitel verteilt sind. Die Texte behandeln kulturelle und politische Ereignisse in Deutschland und Europa und skizzieren aufgrund des gewählten Zeitraums u.a. den Weg Europas in den ersten Weltkrieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Texte in „Der Wahrheitshass“ sind überwiegend chronologisch geordnet, das erste Kapitel umfasst den Zeitraum Dezember 1878 bis Juli 1881, das zweite Kapitel beginnt mit einem Aufsatz über das Dänentum in Südjütland 1899 und endet mit einer Stellungnahme zum Zionismus im Jahre 1905. Das dritte Kapitel umfasst die Jahre 1913 bis 1925 sowie einen von Georg Brandes 1910 selbst verfassten Lebenslauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den meisten Aufsätzen ist eine kurze Erklärung vorangestellt; das Buch endet mit einem Nachwort des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hanns_Gr%C3%B6ssel" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Übersetzers und Literaturkritikers Hanns Grössel</strong></a> sowie Textnachweisen und Danksagung. Neben Hanns Grössel haben Peter Urban-Halle und Mathilde Prager an den Übersetzungen mitgewirkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Folgenden konzentriere ich mich hauptsächlich auf die Aufsätze Brandes‘, in denen er Deutschland und dessen Entwicklung im genannten Zeitraum beschreibt. Brandes hat in den Jahren 1877-1882 in Berlin gelebt, in einer Zeit, in der ihm insbesondere die Presse in Dänemark das Leben schwermachte.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Georg Brandes über Deutschland und die Deutschen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man sich mit <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Brandes" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Georg Brandes</strong></a> befasst, muss man sich eines vorab immer verdeutlichen: Der Literat urteilte in der Sache stets klar, versuchte nicht, etwas sprachlich zu beschönigen, zeigte aber so gar keine Neigung dazu, einseitig Partei zu ergreifen, wo man versucht, Konflikte propagandistisch polarisierend aufzubauen, statt sie zu lösen. Trotz seiner Schärfe als Kritiker gehört Brandes zur seltenen Spezies jener Menschen, die auch denen, deren Meinung sie nicht teilen, mit größtem Respekt und mit Anerkennung begegnen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Brandes kann also ein klares ungeschöntes Bild von Deutschland zeichnen, ohne es dafür zu hassen oder seine Menschen erniedrigen zu wollen. Als zeitweiliger Emigrant ist er Deutschland ebenso dankbar wie als an Literatur begeisterter Mensch. Was ihn antreibt, lässt sich in jenen Werten finden, die er von jedem Philosophen, Schriftsteller oder Journalisten erwartet: unbedingte Wahrheitsliebe, glühender Gerechtigkeitssinn und Sinn für Unabhängigkeit.</p>



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<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="250" height="285" src="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/09/Harald_Slott-Moller_-_Georg_Brandes_ved_universitetet_i_Kobenhavn-1.jpg" alt="" class="wp-image-1450" style="width:534px;height:auto"/><figcaption class="wp-element-caption">Georg Brandes an der Universität Kopenhagen (Gemälde aus dem Jahr 1889 von <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Slott-M%C3%B8ller" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Harald Slott-Møller</a>)<br><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/de:Bridgeman_Art_Library">Bridgeman</a><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/de:Bridgeman_Art_Library" target="_blank" rel="noreferrer noopener"> </a><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/de:Bridgeman_Art_Library">Art Library</a></figcaption></figure>
</div>


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<h2 class="wp-block-heading">Klavierspiel und Servilität (1878)</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Aufsatz über „<a href="https://www.berenberg-verlag.de/downloads/buecher-downloads/berenberg_book_0862906586f4.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Klavierspiel und Servilität</strong></a>“ beschreibt Brandes 1878 die Servilität der Deutschen, die glauben, sie seien allesamt Künstler, die Klavier spielen könnten, und die annehmen, sie hätten Gefühle, die sie in Wirklichkeit nicht haben. Schon&nbsp; dieser humorvolle Beginn, der von einem gequälten Intellektuellen handelt, der in Berlin dem aufdringlichen Geklimpere aus allen Richtungen ausgesetzt ist, ließ mich aufhorchen, denn er erinnerte mich augenblicklich an Hannah Arendts Beschreibung von der „Banalität des Bösen“, die Pathos mit Erhabenheit und das Denken in abgedroschenen Phrasen mit Empathie verwechselt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dichter und Denker schwören sich innerhalb des Polizeistaates, in den Deutschland sich langsam, aber stetig zu verwandeln scheint, auf eine unterwürfige und mut- wie kritiklose Bewunderung ein oder aber weichen in ihren Werken in die Ferne und in nichtssagende Liebesgeschichten aus, denn „<em>wenn sie nicht vergöttern, dann verschweigen sie. Es wird nicht mehr laut gedacht in Deutschland</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das „<em>Kastenwesen</em>“, das Deutschland mit Indien gemein habe<a href="https://xn--sabinewalther-bcher-kbc.de/georg-brandes-der-wahrheitshass/#_edn2">[ii]</a> und innerhalb dessen das Leben eines Arbeiters keinen Wert habe, gibt sich rührend besorgt um das Wohl der Völker und hängt der Vorstellung vom „<em>Schönen und Großen</em>“ nach, demzufolge alle Menschen „<em>Brüder und Schwestern</em>“ seien. Es bleibt jedoch im dahingeklimperten Ideellen stecken, was auch einer Philosophie „<em>von Amts wegen</em>“ geschuldet sei.</p>



<div style="height:29px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Judenhass, Reaktion und die erste Ahnung vom Weltkrieg 1881</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Darüber wölbt sich ein eisenfarbener Himmel.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">In „Die Bewegung gegen die Juden in Deutschland“ beschreibt Brandes 1881 den durch einen „<em>Antisemitismusstreit</em>“ aufflammenden Judenhass in Deutschland. Doch diese „<em>Geisteskrankheit</em>“ des gemeinsamen Hasses zeigt sich nicht nur in Deutschland, sondern in allen großen Nationen: In Frankreich hasse man die deutschen Spione, in Deutschland die Juden, in San Franzisco die Chinesen, in Russland die Deutschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Deutschland wird der Antisemitismus von einem neuen Militarismus<a href="https://xn--sabinewalther-bcher-kbc.de/georg-brandes-der-wahrheitshass/#_edn3">[iii]</a> begleitet, der bereits die Studenten erfasst, die sich nun im Geiste einer „<em>nordischen Anschauungsweise</em>“ gnadenlos duellieren und damit der Erziehung ihrer Eltern folgen, die ihre Söhne auffordern, sich zu erschießen, wenn es die Ehre verlangt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1881 ist auch das Jahr, in dem in Brandes bereits eine „Ahnung vom Weltkrieg“ aufkommt. Brandes sieht Deutschland auf dem Weg dahin, ein „<em>Bollwerk des Konservatismus</em>“ zu werden, das sich bis zu den Zähnen bewaffne, „<em>gepanzert und gerüstet mit allen Mord- und Verteidigungswaffen der Wissenschaft</em>“ und gleichzeitig „<em>isoliert und verhaßt in der Mitte Europas</em>“./</p>



<div style="height:35px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Der erste Weltkrieg und ein denkwürdiger Appell (1916)</h2>



<p class="wp-block-paragraph">1913 wird die Ahnung zur Gewissheit. In Frankreich hat Brandes zufolge der Nationalismus gesiegt, doch: „<em>Ist in Frankreich die Vaterlandsliebe begeistert, so ist sie in Deutschland fanatisch</em>.“ Ein großer Teil von Presse und Politik beschwört unaufhörlich die Kriegsgefahr und schürt zugleich die Kriegsbegeisterung; der Krieg wird zur „<em>heiligen Handlung</em>“, aus der „<em>Mut und Kulturerhalt</em>“ resultieren sollen. Seine vermeintliche Notwendigkeit ergibt sich aus „<em>großkapitalistischen Interessen, die die Staatsmacht missbrauchen</em>“, begründet aber wird er mit der Behauptung, die Triple-Entente (Großbritannien, Frankreich, Russland) wolle Deutschland vernichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">1916 wendet sich Georg Brandes mit einem Appell an die Öffentlichkeit, in dem er darlegt, wie Kriegspropaganda und Realität einander widersprechen. „<em>Jede der kämpfenden Großmächte behauptet</em>“, heißt es eingangs, „<em>daß der Krieg, den sie führt, Notwehr sei. Jede ist die Überfallene, jede kämpft für ihr Dasein. Für jede ist der Mord Notwehr, wie sie jede ihrer Lügen Notlüge nennt. Da also keine der Mächte den Krieg gewünscht hat, so laßt sie den Frieden schließen.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sehr die Kriegspropaganda die Realität überdeckt, zeigt sich Brandes zufolge auch darin, dass die Menschen zum <em>Kampf für die Freiheit</em> aufgerufen werden, während jeder „<em>Brief geöffnet und geprüft</em>“ wird. Im Kampf um eine „<em>höhere Kultur</em>“ werden Millionen niedergemetzelt und geopfert. Statt sich nach <em>Nähmädchenweise</em> für oder gegen eine der Kriegsparteien zu positionieren, sollten insbesondere die neutralen Staaten ihr Gewicht in die „<em>Wagschale des Friedens</em>“ werfen. Doch eben diesen „<em>Ruf nach Frieden</em>“ schimpft man „<em>Feigheit</em>“. „<em>Aber wenn die Menschen schweigen, werden die Steine reden</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Brandes weiß, dass seine Worte nichts bewirken werden, dort, wo die „<em>Grausamkeit Pflicht</em>“ geworden ist und das Mitgefühl „<em>Landesverrat</em>“ heißt. Und doch führt er seinen Appell fort, führt vor Augen, dass ohnehin alles mit Verhandlungen enden werde und fragt: „<em>Warum dann nicht jetzt mit den Verhandlungen beginnen?</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch kennt er die gebetsmühlenartig erfolgende Antwort, die erstaunlicherweise dieselbe Antwort ist, die noch heute erklingt: „<em>Wir wissen es, wir sollen die Zermalmung abwarten. Aber es wird nichts aus der Zermalmung werden, bloß aus dem Massenmorden. Keine von den zwei kämpfenden Parteien lässt sich zermalmen</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen vernichte die „<em>weiße Rasse die Vorstellung ihrer Überlegenheit in der Vorstellung der schwarzen, braunen und gelben Menschen höchstselbst</em>“. So begehe „<em>Europa Harakiri zugunsten von Japan, und Asiens gelehrige und hart zupackende Zukunftsvölker beobachten wahrscheinlich Europas Selbstmordraserei mit etlicher Verwunderung und nicht geringer Befriedigung</em>.“</p>



<div style="height:31px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Die Folgen des ersten Weltkriegs, Rückblick und Ausblick auf das beginnende 20. Jahrhundert</h2>



<p class="wp-block-paragraph">1918 notiert Brandes als Folgen des Weltkriegs, dass dieser <em>Europa um ein Jahrhundert oder mehr zurückgeschraubt</em> und <em>die jungen Kräfte ausgerottet </em>habe, von denen eine Erneuerung des Geisteslebens hätte ausgehen können. Die Gemüter sind verroht, das Seelenleben der Massen ist durch eine fanatische Presse vergiftet, die Völker seien verarmt und verdummt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch schon 1919 scheint Brandes von einer neuen fürchterlichen „Ahnung“ ergriffen, denn der soeben beendet Krieg erscheint ihm nun nur als ein „<em>großartiges und furchtbares Vorspiel zu dem nun beginnenden eigentlichen Drama der Proletarisierung Europas und vielleicht auch anderer Gebiete</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In „Europa jetzt“, schaut Brandes 1925 zunächst zurück und konstatiert, Europa sei mit einer Neigung, „<em>sich Illusionen hinzugeben</em>“, ins neue Jahrhundert eingetreten. Die europäischen Völker seien zudem der „<em>abgeschmackten Gewohnheit</em>“ verfallen, sich selbst zu loben, die eigene Nation über alle anderen zu stellen. Gleichzeitig arbeiteten sich nun <em>Nationalismus, Klerikalismus und Kommunismus</em> hoch, während das politische Ideal der Völkerfreiheit längst vergessen sei. Da aber „<em>Schwarzseherei verpönt ist, außerdem unfruchtbar</em>,“ bleibt ihm nur zu hoffen, „<em>daß aus dem politischen Experiment des 20. Jahrhunderts allmählich etwas Gutes hervorgehen wird</em>“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein frommer Wunsch, der nicht erfüllt wurde. Und vielleicht war es, so zynisch das klingt, ein Glück für Georg Brandes, dass er einen vierten Krieg in seinem Leben nicht mehr miterleben musste, denn der 1842 geborene Schriftsteller und Literaturkritiker starb am 19. Februar 1927 in Kopenhagen.</p>



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<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="798" height="1024" src="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/09/P_S_Kroyer_1900_-_Georg_Brandes_-_Skitse_til_maleri1-798x1024-1.jpg" alt="" class="wp-image-1452" style="width:551px;height:auto" srcset="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/09/P_S_Kroyer_1900_-_Georg_Brandes_-_Skitse_til_maleri1-798x1024-1.jpg 798w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/09/P_S_Kroyer_1900_-_Georg_Brandes_-_Skitse_til_maleri1-798x1024-1-234x300.jpg 234w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/09/P_S_Kroyer_1900_-_Georg_Brandes_-_Skitse_til_maleri1-798x1024-1-768x986.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 798px) 100vw, 798px" /></figure>
</div>


<div style="height:32px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Weitere Aufsätze und Essays in „Der Wahrheitshass“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>In Wirklichkeit kann man ohne Übertreibung behaupten, dass in einer wohlgeordneten modernen Gesellschaft der Wahrheitshass – nicht derjenige der Rüpel, sondern der Wahrheitshass des schlichten Volkes und der guten, feinen, vornehmen Menschen – eine ebenso starke Macht ist wie die Wahrheitsliebe, und eine sehr viel besser organisierte</em>.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deutschland und Frankreich sind die beiden Länder, denen der in Dänemark geborene Brandes in besondere Weise verbunden war, wenngleich seine Liebe und Bewunderung eher Frankreich galten. Neben den genannten Themen finden sich in der Textsammlung Aufsätze zum Dänentum in Südjütland, zur Vernichtung der Armenier durch Kurden und Türken, zum Zionismus und zum Judenhass, der sich quer durch Europa zog und zu zahlreichen Pogromen führte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Brandes selbst stammte aus einer jüdischen Familie, hatte zum Judentum aber kein anderes Verhältnis, als dass er durch Geburt dazu gelangt war. Er lehnte den Glauben für sich ab, und wollte auch nicht als „assimiliert“ bezeichnet werden, da er sich als Däne, nicht als Jude verstand. Dennoch wurde er von außen immer wieder als „der Jude Brandes“ beschrieben – meist in abwertender, zuweilen in positiv diskriminierender Manier. Trotz seiner Skepsis bis Ablehnung setzte sich Brandes aber selbstverständlich für Juden ein, die allein aufgrund ihrer Religion Opfer von Gewalt und Vertreibung wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Aufsatz über den „Wahrheitshaß“, der dem Band seinen Namen gibt, befasst sich Brandes eingangs mit der Frage, warum eine „<em>schöne und herausragende Frau</em>“ – die Rede ist von Therese Huber – „<em>zu ihrer Zeit so übel gelitten und übel beleumdet war</em>“, und kommt zu dem Ergebnis, dass es wohl an ihrer Liebe zur Wahrheit gelegen haben müsse, die man insbesondere einer Frau nicht zugestehen wolle.</p>



<div style="height:33px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit: Berührendes und Beklemmung hervorrufendes Leseerlebnis</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Insgesamt haben mich viele Äußerungen Brandes tief berührt, manche haben mich aufhorchen lassen, andere zum Lachen bewegt, wie etwa die trockene Bemerkung, dass die Preußen, die die Dänen zu Untertanen machen wollen, sich darüber wundern, dass sie „<em>dadurch nicht in begeisterte Bewunderer Preußens verwandelt werden</em>.“<a href="https://xn--sabinewalther-bcher-kbc.de/georg-brandes-der-wahrheitshass/#_edn4">[iv]</a> Vieles hat mich allerdings auch mit Beklemmung erfüllt, weil es doch allzu sehr an das gegenwärtige Geschehen in Europa erinnert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß, dass mir gegenwärtig viele Menschen widersprechen werden, dass sie die „geopolitische Wende“ und eine neue „militärische Herausforderung“ anführen werden, die die „Zeitenwende“ erforderlich mache. Doch erscheint mir genau diese Zeitenwende eben als Rolle rückwärts; und dass Kriege aufgrund von geopolitischen Verteilungskämpfen und militärischen Herausforderungen geführt werden, gehört wohl in die Kategorie Milchmädchenweisheiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine wirkliche Zeitenwende würde aus meiner Sicht damit beginnen, dass Europa 5 % seines Bruttosozialproduktes in friedenschaffende und friedenserhaltende Maßnahmen steckte und dass die schreibenden wie die sendenden Zünfte sich darauf einigten, in ganzer Breite über die Möglichkeit des Friedens zu berichten, statt endlos Kriegsgefahren für Länder wie Deutschland herbeizufabulieren und ausschließlich „Experten und Expertinnen“ einzuladen, die das gegenseitige Sich-Zermalmen für eine ausgezeichnete Voraussetzung halten, um Verhandlungen zu beginnen.</p>



<div style="height:28px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="wp-block-heading">Bibliografische Angaben</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Georg Brandes: Der Wahrheitshass. Über Deutschland und Europa 1880 – 1925</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus dem Dänischen von Peter Urban-Halle, Mathilde Prager und Hanns Grössel</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ausgewählt, kommentiert und mit einem Nachwort von Hanns Grössel</p>



<p class="wp-block-paragraph">Berenberg Verlag 2007</p>



<p class="wp-block-paragraph">ISBN 978-3-937834-19-1</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im <a href="https://www.berenberg-verlag.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Programm des Verlages Berenberg</strong> </a>habe ich „Der Wahrheitshass“ nicht mehr gefunden, eine kurze Onlinerecherche ergab aber, dass es in zahlreichen Buchhandlungen und über Onlineverkaufsportale noch erhältlich ist.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://xn--sabinewalther-bcher-kbc.de/georg-brandes-der-wahrheitshass/#_ednref1">[i]</a> In: Ein Appell, Mai 1916</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://xn--sabinewalther-bcher-kbc.de/georg-brandes-der-wahrheitshass/#_ednref2">[ii]</a> Der Wert des menschlichen Lebens, 1879</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://xn--sabinewalther-bcher-kbc.de/georg-brandes-der-wahrheitshass/#_ednref3">[iii]</a> Der Militarismus 1881</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://xn--sabinewalther-bcher-kbc.de/georg-brandes-der-wahrheitshass/#_ednref4">[iv]</a> Das Dänentum in Südjütland</p>
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		<title>Buchempfehlung: Die romantische Schule in Deutschland.</title>
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		<pubDate>Sat, 21 Jun 2025 13:54:36 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Von Georg Brandes In „Wie der Tod ins Leben kam“ schildere ich an Beispielen aus der deutschsprachigen Literaturgeschichte, wie sich die Vorstellungen vom Todeszeitpunkt und damit die Idee, wo das Sterben beginnt und wo es endet, im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben. Auch der deutschen Romantik ist darin ein Kapitel gewidmet und während ich dafür...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading">Von Georg Brandes</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In „<a href="https://sabinewalther.eu/de/autorin/wie-der-tod-ins-leben-kam/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wie der Tod ins Leben kam</a>“ schildere ich an Beispielen aus der deutschsprachigen Literaturgeschichte, wie sich die Vorstellungen vom Todeszeitpunkt und damit die Idee, wo das Sterben beginnt und wo es endet, im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben. Auch der deutschen Romantik ist darin ein Kapitel gewidmet und während ich dafür recherchierte, bemerkte ich, dass in mir starke Abneigung gegen das „romantische Gemüt“ aufkam, dessen Vertreter“ mir mehr und mehr wie Unheil verkündende Priester erschienen, die das Leben unter ihrer romantisierten Todessehnsucht leugneten und erstickten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie groß war dann meine Überraschung, als ich dieser Tage das mehr als 150 Jahre alte Werk des dänischen Literaturkritikers Georg Brandes las, der meine Wahrnehmung und Einschätzung der deutschen Romantik in vielfacher Hinsicht bestätigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In „Die romantische Schule in Deutschland“, dem zweiten Band der Reihe „Die Hauptströmungen der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts“ sind 14 Vorlesungen, die Brandes an der Universität Kopenhagen hielt, zu einer Studie zusammengefasst.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Eine ungewöhnliche Herangehensweise: Georg Brandes in der Rolle des psychologischen Betrachters</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Brandes nähert sich der Romantik in diesen Vorlesungen in der Rolle des psychologischen Betrachters, der „<em>die romantische Schule Deutschlands im Zusammenhange</em>“ schildern will. Er will also nicht allein einzelne Romantiker und Romantikerinnen vorstellen, er geht der Frage nach, was das typisch Deutsche an dieser Schule ist und welche Hauptströmungen sich darin finden lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man kann Brandes in seiner Vorgehensweise ein hohes Maß an Subjektivität unterstellen –allerdings gilt dies allein für seine Herangehensweise, nicht für seine Urteilskraft und seine umfassenden Kenntnis der deutschen Romantik, die ihn zu dieser Subjektivität erst befähigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Brandes stellt „die romantische Schule in Deutschland“ in 14 Kapiteln vor. So beschreibt er, aus welchen negativen und positiven Voraussetzungen die Romantik entstand, welche künstlerischen und sozialen Tendenzen sich darin wiederfinden, geht auf das Verhältnis der Romantiker zur Musik ein und widmet sich schließlich dem „romantischen Gemüt“, der „romantischen Sehnsucht“ und dem Verhältnis der romantischen Poeten zu Politik, Religion und Mystik.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Hygge versus romantische Sehnsucht: Vergleich zwischen deutscher und dänischer Romantik</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und da Brandes der Herkunft nach dänischer Literaturkritiker ist, liegt es nahe, dass er den Vergleich zwischen dänischer und deutscher Dichtung in seine Studie einbezieht. Demzufolge sind es die Deutschen, die die Romantik „aufgraben“, die ihre Stoffe suchen und finden, sich jedoch darin verlieren und sie in etwas Schwebendes, Nichtgreifbares bis mystisch Waberndes verformen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Auf dänischem Boden erhielt die Romantik mehr Klarheit und mehr Form. Sie ward minder nächtlich, sie wagte sich verschleiert ins Sonnenlicht hinaus. Sie fühlte, daß sie zu einem nüchternen und besonnenen Volke gekommen, das sich selbst noch nicht ganz darüber einig geworden war, ob nicht der Schein des Mondes unnatürlich und sentimental sei. Sie stieg aus den Schachten der Berge empor, von wo Novalis sie in seinen Bergmannsliedern zum ersten Male herauf beschworen hatte, […] Sie fühlte, daß sie in eine andere, lächelndere, mildere und idyllischere Natur gekommen, sie schüttelte das Unheimliche ab, ihre dicken, formlosen Nebel verdichteten sich zu schlanken Elfenmädchen, sie vergaß den Harz und den Blocksberg, und an einem schönen St. Johannisabend schlug sie ihre Residenz auf dem Hügel des Thiergartens auf.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der deutschen Literatur findet sich mehr Leben, in der dänischen offenbart sich mehr Kunst und Gestaltungswille und ein Zurückweichen vor dem Übertriebenen, so etwa lässt sich Brandes Vergleich zusammenfassen. Doch ist es eben auch der Wunsch nach Harmonie und das Zögern vor der Ausschweifung, der letztlich dazu führt, dass die dänische Literatur zwar angenehm zu lesen ist, ihr Publikum aber nicht zu bannen versteht. Es fehlt ihr an Kühnheit und am Mut, Dinge auf die Spitze zu treiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Unsere Romantiker sind niemals wahnwitzig wie Hoffmann, aber auch niemals dämonisch wie er. Sie verlieren an fesselndem und überwältigendem Leben und an Energie, was sie an Lesbarkeit und Klarheit gewinnen. Sie finden verhältnismäßig mehr Leser und mehr Klassen von Lesern, aber es gelingt ihnen nicht, sie so ganz zu gewinnen. Die kraftvollere Originalität schreckt Manche ab, fesselt aber stärker. Wir haben in unserer romantischen Richtung nicht Friedrich Schlegel’s dummdreiste Unsittlichkeit, aber auch nicht seinen genialen Oppositionsgeist, und bei uns gilt für fest und gegeben, was seine Leidenschaft in Fluß bringt, und was seine Kühnheit in neue und barocke Formen gießt.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztlich aber sieht Brandes die deutsche Romantik als verdorben an und schlussfolgert, man werde <em>fühlen, daß die Romantik wie mit einem wahren Hexensabbath endet, in welchem die Philosophen die Rolle der alten Vetteln spielen, unter dem Donner der Obskuranten, unter dem wahnwitzigen Geheul der Mystiker und unter dem Geschrei der Politiker nach Polizeistaat, Klerisei und Theokratie, während die Theologie und Theosophie sich auf die Wissenschaften stürzen und sie unter ihren Liebkosungen ersticken.</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit: intellektueller Hochgenuss</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht jedes Kapitel in „die romantische Schule Deutschlands“ ist gleichermaßen brillant, nicht jede Schilderung überzeugt, manchmal verliert sich die Darstellung aus meiner Sicht zu sehr im nebensächlichen Detail. Denn die Stärke dieses Buches liegt für mich in jenen Passagen, in denen Brandes rhetorische Haken schlägt, in denen er nach dem Schlagabtausch von These und Antithese ein Drittes einfordert, nämlich das Unbedingte einer Dichtung, die sich dem Leben zuwendet, statt tränenden Auges im Elfenbeinturm über liebliche Jenseitsvorstellungen zu grübeln oder sich schreckhaft und mutlos an der überkommenen Form festzuhalten. Gerade heute, wo sich so viele Debatten darauf beschränken, ein Bekenntnis für oder gegen etwas einzufordern, ist es ein Genuss und ein Vergnügen, einem mit Intellekt, Sachkenntnis und sprachlichem Feuer begnadeten Autor wie Brandes zu folgen.</p>



<div style="height:34px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Über den Autor</h2>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="798" height="1024" src="http://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/09/P_S_Kroyer_1900_-_Georg_Brandes_-_Skitse_til_maleri1-798x1024-1.jpg" alt="" class="wp-image-1452" srcset="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/09/P_S_Kroyer_1900_-_Georg_Brandes_-_Skitse_til_maleri1-798x1024-1.jpg 798w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/09/P_S_Kroyer_1900_-_Georg_Brandes_-_Skitse_til_maleri1-798x1024-1-234x300.jpg 234w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/09/P_S_Kroyer_1900_-_Georg_Brandes_-_Skitse_til_maleri1-798x1024-1-768x986.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 798px) 100vw, 798px" /><figcaption class="wp-element-caption">Von Peder Severin Krøyer – Peder Severin Krøyer, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=254611</figcaption></figure>



<div style="height:32px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">Georg Morris Cohen Brandes wurde am 4. Februar 1842 in Kopenhagen geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und Philosophie und machte sich einen Namen als Literaturvermittler und als Wegbereiter der literarischen Erneuerung in Dänemark. Gemeinsam mit seinem Bruder Edvard Brandes und weiteren Schriftstellern gründete er die Zeitung „Politiken“, die noch heute zu den drei größten Tageszeitungen Dänemarks gehört und zum „linksliberalen“ Spektrum gezählt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Brandes war auf finanzielle Unterstützung angewiesen, &nbsp;reiste aber viel&nbsp; und lebte unter anderem einige Jahre in Berlin. Allerdings war der zeitweilige Wegzug aus Dänemark wohl auch dem Umstand geschuldet, <a href="https://danmarkshistorien.lex.dk/Georg_Brandes,_1842-1927" target="_blank" rel="noreferrer noopener">dass er dort über viele Jahre wegen seiner „freisinnigen“ Ideen scharf angegangen</a> und ausgeschlossen wurde. Erst nachdem er internationale Anerkennung gefunden hatte, konnte er auch in Dänemark beruflich und gesellschaftlich wieder Fuß fassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Brandes starb am 19. Februar 1927 in Kopenhagen. Die dänische Literaturkritikervereinigung <em>Litteraturkritikernes Lav</em> hat 1969 einen Preis nach ihm benannt, der für ein Werk aus dem Bereich Literaturwissenschaft oder Literaturkritik vergeben wird. Noch heute sind sein Werk und sein Wirken nicht „unumstritten“, wie man gegenwärtig so schön sagt. Was könnte man sich als Kritiker und Autor Besseres wünschen?</p>



<div style="height:29px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Bibliografische Angaben</strong></h2>



<p class="wp-block-paragraph">Georg Brandes „Die romantische Schule in Deutschland“ ist in verschiedenen Ausgaben und Nachdrucken erhältlich. Die deutschsprachige Erstausgabe trug den Titel:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Hauptströmungen der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zweiter Band: Die romantische Schule in Deutschland.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vorlesungen,&nbsp; gehalten an der Kopenhagener Universität. Von G. Brandes</p>



<p class="wp-block-paragraph">Uebersetzt und eingeleitet von Adolf Strodtmann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einzig autorisirte [sic] deutsche Ausgabe. Berlin. Verlag von Franz Duncker. 1873</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich selbst habe den dänischen Originaltext als Kindle Edition heruntergeladen [Hovedstrømninger i det 19. århundredes litteratur. Bind 2. Den romantiske skole i Tydskland] und den von Adolf Strodtmann ins Deutsche übertragenen <a href="https://georgbrandes.dk/brandes_hpt4/2/1" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Text auf der Website der dänischen Sprach- und Literaturgesellschaft </a>(DSL) genutzt.</p>
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		<title>Buchempfehlung: Der unartigste Junge der Welt</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Jun 2025 13:55:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchempfehlung]]></category>
		<category><![CDATA[dänisches Kinderbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Kim Fupz Aakeson]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Verdens uartigste dreng – ein dänisches Kinderbuch von Kim Fupz Aakeson (Autor) und Rasmus Brenhøi (Illustration) Wer ist eigentlich artiger – ein Junge, der lügt, oder ein Junge, der die Wahrheit sagt? Und was wäre, wenn man in der Schule nicht die Wahrheit, sondern das Lügen lernen würde? In dem dänischen Kinderbuch „verdens uartigste dreng“...</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Verdens uartigste dreng – ein dänisches Kinderbuch von Kim Fupz Aakeson (Autor) und Rasmus Brenhøi (Illustration)</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wer ist eigentlich artiger – ein Junge, der lügt, oder ein Junge, der die Wahrheit sagt? Und was wäre, wenn man in der Schule nicht die Wahrheit, sondern das Lügen lernen würde?</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem dänischen Kinderbuch „verdens uartigste dreng“ stellt Kim Fupz Aakeson die vermeintlich einfachsten Annahmen über die Welt und über den Versuch, sich moralisch richtig zu verhalten, auf den Kopf. Denn Svend Bendt, die Hauptperson des Buches, hat ein Problem: Er kann nicht lügen. Und weil er nicht lügen kann, gilt er als unartig. Obwohl es doch eigentlich heißt, dass man immer die Wahrheit sagen soll. Oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gilt natürlich nicht, wenn man bei der Tante zu Besuch ist und es Kohlrouladen gibt oder in Essig getränkten Hering, und wenn die Tante dann auch noch erwartet, dass man diese Speisen genauso lecker findet, wie sie selbst. Denn genau dem kann Svend nicht zustimmen, stattdessen gibt er ehrlich kund: „Nein, ehrlich gesagt, Tante, das schmeckt nach Fürzen und Kacke.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei ist Svend nicht etwa ein böser Junge, im Gegenteil, er gibt sein Bestes, um artig zu sein, beispielsweise indem er seine Ohren nicht nur abends, sondern auch morgens wäscht. Doch es nützt alles nichts: Svend muss lügen lernen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und zum Glück gibt es ja die Lügenschule, auf die Svends Eltern den Jungen nun schicken. Ob es ihm gelingen wird, das Lügen zu erlernen? Das lest ihr am besten selbst nach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das dänische Bilderbuch „verdens uartigste dreng“ ist in verschiedenen Versionen aufgelegt worden. Es umfasst 28 Seiten. Ursprünglich war die Geschichte Teil der Reihe <a href="https://filmcentralen.dk/grundskolen/film/sallies-historier-verdens-uartigste-dreng" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Sallies historier“ – einer Reihe von Zeichentrickfilmen</a> für Kinder und Erwachsene, für die Aakeson 1998 das Drehbuch schrieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die mir vorliegende Ausgabe mit den Illustrationen von Rasmus Brenhøj erschien 2005 im Forlag Carlsen, ist dort aber nicht mehr im Programm. Im Netz findet ihr das Buch noch antiquarisch, auf eReolen lässt sich eine neuere Version von 2019 <a href="https://ereolen.dk/ting/object/870970-basis%3A47072735" target="_blank" rel="noreferrer noopener">als Hörbuch ausleihen</a>.</p>



<div style="height:40px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Autor und Illustrator</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Kim Fupz Aakeson</strong> wurde &nbsp;1958 in Kopenhagen geboren und ist in Dänemark als Schriftsteller, Drehbuch-, Hörbuch- und Comicautor bekannt. 1993 debütierte er mit seinem ersten Roman für Erwachsene. Er erhielt diverse Preise vor allem für seine Kinderbücher, darunter den Kinderbuchpreis des dänischen Kultusministeriums (1990). Einige seiner Kinderbücher wurden auch ins Deutsche übersetzt, sein Jugendroman „Ulla und alles“ war 2001 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem Interview mit dem Gyldendal Forlag erzählt der Schriftsteller 2025 von seinem neuesten Roman „der Schatten vor mir“ und davon, dass seine Geschichten oft aus einem Gedankengang heraus entstehen.</p>



<div style="height:28px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Kim Fupz Aakeson - Skyggen foran mig" width="650" height="366" src="https://www.youtube.com/embed/tvXBSnPdmsY?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<div style="height:29px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Rasmus Brenhøi</strong> fertigte fuer die Ausgabe von 2005 die Illustrationen an. Seine Zeichnungen nehmen in „verdens uartigste dreng“ meist mindestens eine halbe Seite ein und zeigen die Welt aus der Perspektive eines kleinen Kindes. Die Erwachsenen erscheinen überdimensional groß, drücken Ärger und Freude ebenso überdimensional erkennbar aus und wirken meist grotesk bis clownesk, manchmal aber auch furchteinflößend. Brenhøi scheint vergleichbar produktiv wie Aakeson zu sein, denn unter seinem Namen finden sich im Netz eine Vielzahl an Büchern, die er illustriert hat, leider habe ich aber weder einen Eintrag zu seiner Person noch eine Website gefunden. Aber sehr wahrscheinlich ist das dann auch beabsichtigt – also lassen wir es dabei und respektieren wir, dass nicht jeder im Netz gefunden werden möchte.</p>
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		<title>Rezension: Sixten &#038; Elvira</title>
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		<pubDate>Fri, 23 May 2025 13:58:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchempfehlung]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkritik]]></category>
		<category><![CDATA[daenisch lernen: Tipps]]></category>
		<category><![CDATA[Sixten und Elvira]]></category>
		<category><![CDATA[skandinavische Liebespaare]]></category>
		<category><![CDATA[skandinavische Literatur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Geschichte eines Mordes. Von Kathinka Lindhe War es Liebe oder die Geschichte einer narzisstischen Unterwerfung? War es am Ende ein gemeinsam geplanter Selbstmord oder Mord? Elvira Madigan und Sixten Sparre, die Seiltänzerin und der Leutnant aus altem schwedischen Adelsgeschlecht, gehören zu jenen historischen Liebespaaren, die Romantiker gern in eine Reihe mit Romeo und Julia...</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Geschichte eines Mordes. Von Kathinka Lindhe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">War es Liebe oder die Geschichte einer narzisstischen Unterwerfung? War es am Ende ein gemeinsam geplanter Selbstmord oder Mord? Elvira Madigan und Sixten Sparre, die Seiltänzerin und der Leutnant aus altem schwedischen Adelsgeschlecht, gehören zu jenen historischen Liebespaaren, die Romantiker gern in eine Reihe mit Romeo und Julia oder Abaelard und Heloise stellen. Schon der Titel, den die schwedische Verfasserin und Urenkelin von Sparre für ihre eigene Veröffentlichung wählte, lässt ahnen, dass sie zu einem gänzlich anderen Ergebnis gelangt. Oder?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wer waren Elvira Madigan und Sixten Sparre?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In Skandinavien und Dänemark gehört die Geschichte von Elvira und Sixten zum Allgemeinwissen, in anderen Ländern ist dies gegenwärtig wohl nicht mehr so, weshalb ich an dieser Stelle zunächst kurz erzählen möchte, worum es eigentlich geht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Tåsinge und die Schüsse aus dem Nørreskov</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Juli 1889 hallen auf der bei Feriengästen beliebten Insel Tåsinge zwei Schüsse durch den Nordwald. Die Schüsse fallen mit kurzem zeitlichen Abstand. Abgefeuert hat sie der Dragonerleutnant Sixten Sparre, der erst seine Geliebte Elvira Madigan erschoss, und anschließend, nachdem er der jungen Frau in einer vermeintlich liebevollen Geste die Hände über der Brust gekreuzt hatte, sich selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Untersuchung des Fundortes deutete darauf hin, dass dort kein Kampf stattgefunden hat, deshalb geht man davon aus, dass Elvira und Sixten ihren Selbstmord gemeinsam geplant hatten, um der misslichen Lage, in die sie durch ihre vorangegangene Flucht geraten waren, zu entkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Elvira Madigan, die zu dieser Zeit eine berühmte Seiltänzerin von gerade mal 21 Jahren ist, hatte ihre Familie und deren Zirkus klammheimlich verlassen, um mit Sixten ein neues Leben beginnen zu können. Doch Sixten Sparre, ihr 14 Jahre älterer Liebhaber, ist auf mehrfache Weise gebunden, denn er ist Dragonerleutnant, Ehemann, Vater und noch dazu hoch verschuldet und mittellos und wird durch seine Flucht schließlich zum Deserteur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht die besten Grundlagen, um ein neues Leben zu beginnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den zahlreichen Zeitungsartikeln, die über das ungleiche Paar berichteten, wurde aus einer dramatisch endenden Flucht eine der großen Liebesgeschichten Skandinaviens; und auch Literaten und Filmemacher meinten, darin eine herzerwärmende Story zu finden, die von Liebe und von zwei starken Charakteren erzählt, die sich den unbarmherzigen gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit zu widersetzen versuchten. Noch 1989 erzählte die dänische Kinderbuchautorin Herta&nbsp; J. Envoldesen die Geschichte der „<a href="https://ereolen.dk/ting/object/870970-basis%3A52249155" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Cirkusprinzessin Elvira</a>“ wie eine romantische Liebesgeschichte zweier Menschen, die vom Schicksal füreinander bestimmt waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch die Wirklichkeit ist selten so eindeutig wie ein gut entwickelter Charakter in einem Roman.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="790" height="1024" src="http://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/05/Elvira_Madigan_1888-1185x1536-2-790x1024.jpg" alt="" class="wp-image-1255" style="width:441px;height:auto" srcset="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/05/Elvira_Madigan_1888-1185x1536-2-790x1024.jpg 790w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/05/Elvira_Madigan_1888-1185x1536-2-231x300.jpg 231w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/05/Elvira_Madigan_1888-1185x1536-2-768x995.jpg 768w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/05/Elvira_Madigan_1888-1185x1536-2.jpg 1185w" sizes="auto, (max-width: 790px) 100vw, 790px" /><figcaption class="wp-element-caption"><br>Elvira Madigan in 1888<br><br>Photography:<br>Lisa Landberg, Oskarshamn (uncertain)</figcaption></figure>
</div>


<div style="height:30px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading">Vom Tabu zur Mikrohistorie: Kathinka Lindhes Sachbuch über ihren Urgroßvater Sixten Sparre</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sich die Sache wirklich zugetragen haben mag, ob es ein gemeinsam geplanter Selbstmord war oder ob Sixten Elvira während ihres letzten Picknicks unvorbereitet erschossen hat, dieser Frage geht Sixtens Urenkelin Kathinka Lindhe in ihrem Buch „<a href="https://gad.dk/kathinka-lindhe?pageId=ae003f3d-7c5c-4c98-8988-9db330325c1a&amp;dataObjectId=a0166fd5-80fe-4db0-8288-e4f9e3fa1714&amp;dataObjectTypeId=35a155b6-1ec9-4acd-b8ae-d67942e7fb41" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sixten &amp; Elvira: Historien om et mord</a>“ nach, das 2021 im Gads Forlag erschien und von Anette Dina Sørensen aus dem Schwedischen ins Dänische übersetzt worden war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lindhe unternimmt den Versuch, das Tabu, über das in ihrer Familie nicht gesprochen werden sollte, wie ein Mosaik zusammenzulegen. Damit leistet sie nicht allein einen Beitrag zur Wahrheitsfindung, sie gibt uns mit den Mitteln der Mikrohistorie auch Einblick in den Zeitgeist, der sich in dem Schicksal des ungleichen Paares widerspiegelt. Und mehr noch: Wir erfahren hier auch einiges, über einen Menschen, dem all die sentimentalen Geschichten um eine vermeintlich unzerstörbare Liebe schwer zugesetzt haben dürften, der aber sonst nirgendwo vorkommt: über Sixtens Ehefrau Luitgaard, die allein mit zwei Kindern und einem Haufen Schulden das Unglück, das Sixten ihr hinterließ, meistern musste.</p>



<div style="height:33px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><a href="https://da.wikipedia.org/wiki/Sixten_Sparre#/media/Fil:Sixten.gif" target="_blank" rel=" noreferrer noopener"><img loading="lazy" decoding="async" width="425" height="600" src="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/05/grafik-1.png" alt="" class="wp-image-1469" srcset="https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/05/grafik-1.png 425w, https://sabinewalther.eu/wp-content/uploads/2025/05/grafik-1-213x300.png 213w" sizes="auto, (max-width: 425px) 100vw, 425px" /></a></figure>
</div>


<div style="height:35px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p class="wp-block-paragraph">In acht Kapiteln, die von jeweils einem Prolog und einem Epilog, einem Vorwort und einer Danksagung umrandet werden, nähert sich Kathinka Lindhe chronologisch dem an, was sich über die Geschichte und die Romanze von Elvira und Sixten tatsächlich wissen und was sich – mit aller Vorsicht – daraus schlussfolgern lässt. Nach und nach entsteht so das Bild eines Paares, das einander braucht, um jeweils eigene Zielsetzungen zu erreichen, Zielsetzungen, die sich nicht harmonisch ineinander schmiegen, sondern einander disharmonisch kreuzen. Es lässt sich vermuten – das ist meine eigene Schlussfolgerung – dass das Paar es im Leben tatsächlich nicht lange miteinander ausgehalten hätte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wie kommt Kathinka Lindhe dazu, von einem Mord zu sprechen? Und bleibt sie am Ende dabei? Das werde ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Denn so viel ist noch hinzuzufügen: Lindhe reiht die Ereignisse nicht nur rein sachlich in Dokumenten und Kommentaren aneinander, wie es beispielsweise der Historiker und Ex-Polizist Anders Enevig, der ebenfalls ein geschätztes <a href="https://www.saxo.com/dk/fakta-om-elvira-madigan-og-sixten-sparre_anders-enevig_indbundet_9788789191676" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sachbuch zum Thema</a> verfasste, tat; sie versteht sich auch darauf, das Persönliche und das Faktische in einem lebhaften und ansprechenden Erzählstil zu verbinden. Es lohnt sich also, selbst mit Kathinka Lindhe auf Spurensuche zu gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aktuell arbeite ich selbst an einer <a href="https://sabinewalther.eu/de/neues-aus-der-schreibstube/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Neuerzählung der vermeintlichen Liebesgeschichte</a> und Lindhes Einschätzung wird in Teilen sich darin auffindbar sein. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Biografische Angaben<strong>:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lindhe, Kathinka: Sixten &amp; Elvira – Historien om et mord.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Textredaktion und Übersetzung: Anette Dina Sørensen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gads Forlag 2021</p>



<p class="wp-block-paragraph">ISBN 978-87-12-06471-8</p>



<p class="wp-block-paragraph">Preis: 299,95 kr</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Buch ist zudem als E-Book erhältlich. Meine Rezension bezieht sich auf die <a href="https://ereolen.dk/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">bei eReolen ausleihbare Version</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Literatur, die im Text erwähnt wird<br></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Enevig, Anders: Fakta om Elvira Madigan og Sixten Sparre</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wisby &amp; Wilkens 2005</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Enevoldsen, Herta J.: Cirkusprinsessen Elvira Madigan: ungdomsroman</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Carlsen Verlag 2016</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Tipp für Dänischlerner</strong>: Es gibt ein <a href="https://bibliotek.dk/materiale/elvira-madigan-letlaesning-_kirsten-ahlburg/work-of:870970-basis:23326426?type=bog#870970-basis:51665201">Kurzfassung der Geschichte von Kirsten Ahlburg</a> in „einfacher Sprache“ aus dem Special-pædagogisk forlag, die in gedruckter Form und als E-Book erhältlich ist. Mir hat diese Version nicht besonders gut gefallen, aber wer sich in seiner neuen Lieblingssprache erstmal ins Thema einlesen möchte, dem bietet sie eine gute Gelegenheit dazu.</p>
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		<title>Happy Birthday, Charlie Chaplin!</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Apr 2025 13:59:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>„Wir sollten am Glück des anderen teilhaben und nicht einander verabscheuen.“ Ich kenne nur wenige Filme von Charlie und Chaplin, doch wenn ich den Namen des herausragenden Künstlers höre, fällt mir – wie gewiss vielen anderen auch – sofort die ergreifende Schlussrede aus seinem Film „Der große Diktator“ ein. Auch das obige Zitat ist dieser...</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir sollten am Glück des anderen teilhaben und nicht einander verabscheuen.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kenne nur wenige Filme von Charlie und Chaplin, doch wenn ich den Namen des herausragenden Künstlers höre, fällt mir – wie gewiss vielen anderen auch – sofort die ergreifende Schlussrede aus seinem Film „Der große Diktator“ ein. Auch das obige Zitat ist dieser Rede entnommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">——————–</p>



<p class="wp-block-paragraph">Chaplins bekannte Schlussrede in „Der große Diktator“ ist so mitreißend, man kann sich als schreibender Mensch eigentlich nur wünschen, selbst einmal solche zu Herzen gehenden Worte aufs Papier oder in die Tasten zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe loading="lazy" title="Charlie Chaplin - Final Speech from The Great Dictator" width="650" height="366" src="https://www.youtube.com/embed/J7GY1Xg6X20?start=11&amp;feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph">Und doch beschleicht mich jedes Mal, wenn ich die Rede höre, Unbehagen. Ein mit jedem Wort zunehmendes Unbehagen, weil die Worte, die Chaplin als großer Diktator spricht, nicht mit der Art übereinstimmen, wie er sie spricht: fanatisch. Im Grunde zeigt er in dieser Szene, dass selbst die besten Ideen und Absichten sich in ihr Gegenteil verkehren, wenn sie nicht in Menschlichkeit und Zuneigung geäußert werden. Wenn sie sich vom Hass nähren, und sei es auch der Hass auf das „Verkehrte“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In <a href="https://sabinewalther.eu/autorin/objektiv/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">meinem dystopischen Roman „Objektiv</a>“ folge ich genau dieser These: Wir Menschen haben die Neigung, das Gute in ein Schlechtestes zu verkehren, weil wir das, was gut ist, immerzu zu einem Besseren und Besten vorantreiben wollen – gelenkt und geleitet nicht von Menschlichkeit und Zuneigung, sondern von Fanatismus, Profitgier, Streben nach Macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so ist es auch kein Zufall, dass mein Protagonist Alexander, der in der besten Absicht an einer Erfindung arbeitet, die die Menschheit von ihrer Verrohung und sozialen Kälte heilt, sich auf Chaplin bezieht und dessen Rede zitiert. So heißt es im Roman:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir haben durch den jahrzehntelangen törichten Umgang mit audiovisuellen Technologien den Kontakt zwischen Sehen und Fühlen zerstört. Statt die Wirkungen dieser Medien zu kontrollieren, haben wir rein gewinnorientiert gearbeitet. Damit muss jetzt Schluss sein, wenn wir wirklich etwas für den Frieden und das Gemeinwohl tun wollen. Statt wie bisher Gaffer und empfindungslose Zuschauer zu produzieren, greifen wir jetzt aktiv in die Evolution des Sehens ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir von Neoworlds nehmen die Herausforderung dieses Jahrhunderts an. Wir setzen um, was schon der große Chaplin einst in seiner visionären Rede vorwegnahm. Wir werden weder herrschen noch irgendwen erobern, sondern jedem Menschen helfen, wo immer wir können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">‚<em>Den Juden, den Heiden, den Farbigen, den Weißen. Jeder Mensch sollte dem anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt. Wir sollten am Glück des anderen teilhaben und nicht einander verabscheuen. Hass und Verachtung bringen uns niemals näher</em>‘“, zitierte er sodann Chaplins großartige Rede aus dem Gedächtnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Neogaze Empathy wird dazu beitragen, dass wir Hass und Verachtung überwinden. Wir werden nicht allein in der Lage sein, Menschen neu sehen zu lernen. Wir werden auch in der Lage sein, Wahrnehmung und Fühlen so zu beeinflussen, dass jeder, der unsere Technologien nutzt, unfähig wird, zu hassen oder anderen Menschen etwas Böses anzutun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn ‚<em>zuerst kommt die Menschlichkeit und dann erst die Maschinen</em>‘. Wir von Neoworlds haben das verstanden. Und wir garantieren:&nbsp; Das Zeitalter des Wassermanns wird kommen, wenn wir gemeinsam daran arbeiten, es zu verwirklichen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was Alexander da mit Leidenschaft vorträgt, ist das Ergebnis eines Fanatismus, der um jeden Preis heilen will, und das Gute in ein Gut, in eine Ware verwandelt. Doch wird es noch eine Weile dauern, bis auch mein Protagonist dies begreift und … Nein, mehr gespoilert wird nicht. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Stattdessen bedanke ich mich beim Meister für die großartigen Gedanken und für die Zweifel und Ermutigung zur Selbstreflexion, die er uns mit dieser Szene geschenkt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Charlie Chaplin wurde am 16.04.1889 in London geboren. Heute wäre also sein 136. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch einem großartigen Meister der Filmkunst und gewiss auch der Menschlichkeit, der 1977 nach einem erfüllten und inspirierenden Leben verstarb.</p>
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		<title>Buchempfehlung: Spätsommergewitter von Heike Müller</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Feb 2025 14:25:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchempfehlung]]></category>
		<category><![CDATA[Liebesroman]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur Mecklenburg]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>„Eine Liebesgeschichte aus Milch und Tönen“ Liebesgeschichten, die ausdrücklich als solche beworben werden, gehören eigentlich nicht zu meiner bevorzugten Lektüre. Insbesondere nicht, wenn das Cover in pastellfarbenen Tönen gehalten ist und der Klappentext mir bereits das Stöhnen und Seufzen der Protagonisten schildert, weil es sich um ein Genre handelt, das man heute „Frauenliteratur“ nennt. Aber...</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Eine Liebesgeschichte aus Milch und Tönen“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebesgeschichten, die ausdrücklich als solche beworben werden, gehören eigentlich nicht zu meiner bevorzugten Lektüre. Insbesondere nicht, wenn das Cover in pastellfarbenen Tönen gehalten ist und der Klappentext mir bereits das Stöhnen und Seufzen der Protagonisten schildert, weil es sich um ein Genre handelt, das man heute „Frauenliteratur“ nennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber zum Glück ist bei diesem Buch alles anders, nicht nur die Umschlaggestaltung. Und zum Glück habe ich es gelesen, obwohl es als Liebesgeschichte beworben wird. Denn am Ende kam ich nicht umhin zu bemerken, dass dieses Buch so ziemlich alles auf den Kopf stellt, was man als Städterin so über das bäuerliche Leben und Denken zu wissen glaubt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Karen und Piet, die Protagonisten in Heike Müllers Roman „Spätsommergewitter“, könnten (auf den ersten Blick) unterschiedlicher nicht sein: Er wird als hochmütiger Wessi eingeführt, als Musiker, der sich um seinen Lebensunterhalt anscheinend keine Sorgen machen muss. Sie ist eine verwitwete Bäuerin aus Mecklenburg, die jeden Tag um den Erhalt ihres Hofes kämpfen muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch mit dem Hagelschlag, der die beiden zusammenführt, weichen auch die Klischeevorstellungen, die sie voneinander und wir als Leser von ihnen haben. Denn es gelingt Heike Müller meisterhaft, hinter all den vermeintlichen Kontrasten, die in die Geschichte verwoben sind, die wirklichen Menschen in ihrer Einzigartigkeit differenziert zu schildern. Eine Einzigartigkeit, die sich nicht im Spleen oder im Wunsch, sich von anderen abzugrenzen zeigt, sondern in der Verwurzelung, in der eigenen Biografie, im eigenen Temperament und in ihrer Prägung durch eine Gemeinschaft, die akzeptiert, was und wen sie doch nicht ändern kann, und nach besten Kräften hilft, wo sie etwas bewirken kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so findet der von Depressionen gebeutelte Piet bei seiner Karen ein neues Zuhause, findet diese selbstlose Unterstützung, die ihm sichere Wege aufzeigt, ohne ihn einzusperren. Und Karen findet in Piet einen Liebhaber und Gefährten, um den es sich zu kämpfen lohnt – auch wenn sie dieser Kampf zeitweise an den Rand ihrer Kräfte bringt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">War ich anfangs noch skeptisch, weil mir der E-Mail-Dialog zwischen Karen und Piet zu lang, zu tastend und mit zu viel „verkopften“ Erklärungen durchsetzt schien, begeisterte mich das Buch mindestens von dem Moment an, in dem das Paar aus seinem nomadischen Liebesrausch wieder in die Gemeinschaft mit anderen zurückfindet. Und mit jedem Themenkreis, der hinzutrat, mit jeder Figur, die unsentimental, aber eben deshalb so einfühlsam eingeführt wurde, wuchs diese eigenartige Vertrautheit mit Menschen, von denen ich mir nicht mehr vorstellen konnte, dass sie rein fiktive Gestalten wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie die Geschichte zwischen dem friesischen „Schimmelreiter“ Piet und der „Atheistin“ Karen sich entwickelt, welche Höhen und Tiefen die beiden durchleiden – davon will ich nicht allzu viel verraten. Nur so viel sei gesagt: Selten habe ich in den vergangenen Jahren so sehr mitgefiebert, dass alles ein gutes Ende nehmen würde. Ob meine stummen Gebete erhört wurden, müsst ihr allerdings selbst herausfinden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von mir gibt es dafür eine klare Empfehlung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Autorin</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heike Müller wurde 1965 geboren und bewirtschaftet gemeinsam mit ihrem Mann einen Milchvieh- und Ackerbaubetrieb in der Mecklenburgischen Schweiz. Soweit ich es überblicke, ist dies ihre erste und bisher einzige literarische Veröffentlichung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Das Buch</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Spätsommergewitter. Eine Liebesgeschichte aus Musik und Tönen von Heike Müller erschien erstmals 2018 als Taschenbuch im mecklenburgischen Spica-Verlag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">ISBN: 978-3-946732-32-7</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verkaufspreis: € 12,80</p>
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		<title>Leseempfehlung: Oh, dieses Dänisch!</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Jun 2024 14:04:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Buchempfehlung]]></category>
		<category><![CDATA[Daenisch lernen]]></category>
		<category><![CDATA[daenische Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[daenische Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Dänische Aussprache]]></category>
		<category><![CDATA[deutsch-dänischer Autor]]></category>
		<category><![CDATA[ist daenisch schwer]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachvergleich Deutsch-Dänisch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein unterhaltsamer Sprachführer von Reinhard Behr Schon lange wollte ich Dänisch lernen und vor wenigen Wochen habe ich endlich begonnen – zunächst mal im Selbststudium. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass ich die Sprache relativ rasch erlernen würde – zumindest, um mich im Alltag halbwegs verständigen zu können. Die Grammatik ist einfach, der Wortschatz ähnelt...</p>
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<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ein unterhaltsamer Sprachführer von Reinhard Behr</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon lange wollte ich Dänisch lernen und vor wenigen Wochen habe ich endlich begonnen – zunächst mal im Selbststudium. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass ich die Sprache relativ rasch erlernen würde – zumindest, um mich im Alltag halbwegs verständigen zu können. Die Grammatik ist einfach, der Wortschatz ähnelt in vielem dem Deutschen und Englischen. Wenn da nur nicht die Aussprache wäre!</p>



<h2 class="wp-block-heading">„Allein die Aussprache!“&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Und mit genau diesem Thema beginnt Reinhard Behrs kleiner Sprachführer „Oh, dieses Dänisch!“. Denn schon im ersten Kapitel des 64 Seiten umfassenden Büchleins schildert er, was wohl so manchen Sprachlerner schon zur Verzweiflung gebracht hat: Etwa die Aussprache des dänischen „d“-Lautes, der sich halb gestoßen, halb gehaucht im Nirgendwo zu verheddern scheint. In einigen Kombinationen fühlt es sich an, als würde man sich mithilfe der Zunge die Schnürsenkel zu einer Schleife binden wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch statt sich darüber zu grämen, gibt Behr dem Leser Anlass, sich mit ihm über eigene Fehler und Zungenknoten zu amüsieren. Dabei streift er Fragen von Grammatik und Wortschatz und bietet in kurzen Anekdoten ganz nebenbei noch einen Einblick in die spezielle Art des dänischen Humors und den deutsch-dänischen „Sprachstreit“. Und so kommt neben der dänischen auch die deutsche Sprache immer mal wieder auf den Prüfstand, die von außen betrachtet nicht weniger Denk- und Merkwürdigkeiten aufweist.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Oh, dieses Dänisch</em> ist somit kein Lehrbuch – aber es muntert all jene auf, die sich gerade damit abmühen, Wörter wie „Rådvad“ oder „lejlighed“ korrekt auszusprechen. Ich habe es sehr gern gelesen – und freue mich nun wieder auf die nächsten Lektionen aus meinem Lehrbuch. Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass die Dänen, denen ich bei meinem nächsten Aufenthalt begegnen und an denen ich meine neuen Sprachkenntnisse testen werde, sich noch redlich werden bemühen müssen, meine Versuche höflich anzuerkennen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob korrekt oder nicht: Einen Vorteil hat das Dänischlernen meiner bisherigen Erfahrung nach so oder so: Die Aussprache verlangt, dass das Kinn entspannt nach unten wegklappt. Vielleicht ist dies einer der Gründe dafür, dass die Dänen als ein so glückliches Volk gelten, das mit viel „Hygge“ und Humor den Alltag meistert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Über den Autor</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Reinhard Behr arbeitete bis 1988 als Lehrer in Berlin und zog dann mit seiner dänischen Ehefrau nach Fünen, wo er als Dozent der Volkshochschule tätig war. Er starb 2003.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Bibliografische Angaben</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Behr, Reinhard</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oh, dieses Dänisch! Eine heitere und unterhaltsame Betrachtung der Sprache unserer Nachbarn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Band I aus der Reihe Fremdsprech, Conrad-Stein-Verlag, Welver</p>



<p class="wp-block-paragraph">ISBN 978-3-86686-920-2</p>



<p class="wp-block-paragraph">Preis: € 5,90</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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